USA
Was nun, Herr Präsident?

Die Republikaner verlieren ihren Senatssitz in ihrer Hochburg Alabama – und auch der Präsident trägt für diese Ohrfeige eine gewisse Verantwortung.

Renzo Ruf, Washington
Renzo Ruf, Washington
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Keystone

Donald Trump hat recht. Wollen die Republikaner im nächsten Jahr als Sieger aus der Parlamentswahl hervorgehen und ihre Mehrheiten im Senat (neu: 51 zu 49) und Repräsentantenhaus (239 zu 193) bewahren, dann müssen sie «grossartige» Kandidaten ins Rennen schicken, wie der Präsident am Mittwoch auf Twitter schrieb. Roy Moore, Anwärter für einen Senatssitz in Alabama, passte nicht in dieses Schema; deshalb hat der Republikaner verdientermassen verloren.

Richtig ist aber auch, dass der Präsident für diese Ohrfeige eine gewisse Verantwortung trägt. Erstens hat Trump selbst in Alabama – einer Hochburg des erzkonservativen Flügels der Republikaner – seine Anziehungskraft verloren. Nur noch 48 Prozent der Wählerinnen und Wähler sind mit seiner Amtsführung zufrieden. Zweitens setzte sich der Präsident für Moore ein. Damit schürte er einen innerparteilichen Konflikt, unter dem letztlich alle Republikaner leiden werden. Denn eine gespaltene Präsidentenpartei ist gegen eine geeinte Demokratische Partei chancenlos.

Nach fast einem Jahr im Amt scheint der Präsident die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben. Es mag zutreffen, dass sein ungehobeltes Auftreten im Wahlkampf des vorigen Jahres ein Plus darstellte. Aber mittlerweile sorgt Trump nicht mehr für Unterhaltung, sondern für Ermüdung – und zwar bei den Verbündeten. Trump wäre also gut beraten, sich stärker auf seine Arbeit zu konzentrieren. Sonst könnte seine Präsidentschaft schon bald eine dramatische Wende nehmen.

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