Sprachriff
Was kommt auf den Sozialgrill?

Heimito Nollé
Heimito Nollé
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Flachgeklopft und mariniert landet das Hater-Filet auf dem Rost der empörten Community. (Symbolbild)

Flachgeklopft und mariniert landet das Hater-Filet auf dem Rost der empörten Community. (Symbolbild)

«Tsch-tsch», so die lautmalerische Fleischwerbung eines grossen Detailhändlers, der im Fernsehspot zur Grillsaison aufruft. «Tsch-tsch» tönt es auch in den sozialen Netzwerken, allerdings nicht nur im Sommer, sondern beständig. Denn hier wird unabhängig von der Witterung das ganze Jahr über fröhlich gegrillt und geröstet.

Auf den Grill der sozialen Medien kommt, wer etwas Missliebiges, vermeintlich Rassistisches oder Menschenverachtendes von sich gegeben hat, kurz: Wer sich der Hate Speech verdächtig gemacht hat.

Flachgeklopft und mariniert landet das Hater-Filet auf dem Rost der empörten Community, wo es gargebraten und im Namen der Zivilgesellschaft, der Menschenrechte und der höheren Selbstgerechtigkeit verzehrt wird.

Dabei sind diese Grill-Partys auf Facebook & Co. meist nicht viel zivilisierter als die angeprangerte Hate Speech selbst. Auch sie zielen unmissverständlich auf die Diffamierung von Personen, freilich unter der Tarnmütze der Aufklärung. Hass, der sich auf höhere Werte beruft, ist aber um keinen Deut besser als die aus den Tiefen der Eingeweide hervorgerülpste Hate Speech. Nur ein bisschen selbstgefälliger.