Was für ein strenger Herbst

Hans Fahrländer
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An einem Gartenhag bei der Bushaltestelle hängt ein oranges Fahnentuch, darauf die Worte «Konzernverantwortungs-Initiative Ja!». Orange – ob das Werbetuch von «Die Mitte» stammt? Oder muss es heissen: Ob das Werbe-Tuch von der «Mitte» stammt? Was für ein blutleerer, zudem schwer zu deklinierender Name für eine Partei. Aber davon wollte ich gar nicht schreiben. Sondern davon: Konzernverantwortungs-Initiative – darum geht es doch gar nicht in einer Woche? Tatsächlich: Darum geht es in zehn Wochen. Die Leute von der Bushaltestelle sind der Polit- Agenda ziemlich voraus.

Ein wahrhaft schweisstreibender Politik-Herbst steht vor uns. Musteraargauer haben sich längst drei Sonntage in ihrer Rest-Agenda 2020 angestrichen: den 27. September, den 18. Oktober und den 29. November. Der erste und dritte Termin sind für insgesamt sieben eidgenössische und vier kantonale Abstimmungsvorlagen reserviert, am mittleren Termin wählt das Aargauer Volk eine neue Regierung und ein neues Kantonsparlament.

Ein Bummel durch Baden macht zurzeit ziemlich schwindlig. Überall diese Plakate, Fahnen, Parolen – vor allem aber: überall diese Köpfe! In Baden ist auch noch ein Stadtratssitz zu besetzen. Und so fliegt der Blick von Laternenpfahl zu Laternenpfahl: Als was will der/die gewählt werden? Stadtrat? Regierungsrat? Grosser Rat? Was steht in einer Woche alles zur Debatte? Ich werfe einen Blick auf die Titelseite des roten Bundesbüchleins. «Änderung des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer». Ähm, was genau soll da ändern? Darunter: «Änderung des Erwerbsersatzgesetzes» – könnten die nicht etwas präziser betiteln, worum es wirklich geht?

Auf den 29. November hin geht’s dann nochmals hoch her: Vielleicht gilt es dann, die Regierung in Runde 2 zu komplettieren. Und dann stehen zwei hochemotionale Volksinitiativen zum Entscheid an: die Konzernverantwortungs-Initiative und die Kriegsgeschäfte-Initiative. Fazit: Aargauerinnen und Aargauer, welche alle Abstimmungsvorlagen wirklich verstehen und sich eine solide Meinung zu all den Köpfen und Programmen der kantonalen Wahlen bilden wollen – die können diesen Herbst weniger in den Ausgang. Aber es ist ja sowieso Corona- Jahr. Wer wählt und abstimmt, steckt sich nicht an.