Facebook-Gründer
Warum glaubt niemand Mark Zuckerberg?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg nutzt jede Gelegenheit, um sein Image zu korrigieren. Doch als Wohltäter wollen ihn die Menschen einfach nicht wahrnehmen. Die Analyse.

Raffael Schuppisser
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Mark Zuckerberg, sein Sohn Max und Gattin Priscilla. (Archiv)

Mark Zuckerberg, sein Sohn Max und Gattin Priscilla. (Archiv)

KEYSTONE/AP Mark Zuckerberg/UNCREDITED

Was für Steve Jobs der schwarze Rollkragen-Pulli war, ist für Mark Zuckerberg das graue T-Shirt: seine Standarduniform. Das Shirt trägt er immer. Oder zumindest an jedem öffentlichen Auftritt. Davon hatte der Facebook-Chef dieser Tage gleich zwei am Mobile World Congress in Barcelona, an der wichtigsten Messe der Telekombranche. Einmal war Zuckerberg der gefeierte Überraschungsgast an der Pressekonferenz von Samsung. Das zweite Mal kam er als lang angekündigter Hauptredner ins Schwitzen (dazu später mehr). Beide Male erzählte er von seiner dreimonatigen Tochter Max.

Mark Zuckerberg nutzt jede Gelegenheit, um über seine Rolle als junger Vater zu sprechen – und sein Image des hochbegabten und sozial rückständigen Harvard-Studienabbrechers, der zum jüngsten Milliardär wurde, abzulegen. Denn Mark, so seine Botschaft, denkt längst nicht mehr nur an sein eigenes Wohl, sondern an seine Mitmenschen. Während am Mobile World Congress andere vom neuen Standard 5G sprachen, der noch schnelleres mobiles Internet ermöglicht, ermahnte Mark die versammelte Tech-Gemeinde, man solle doch zuerst an jene vier Milliarden Menschen denken, die noch gar keinen Internetanschluss haben.

Indien lehnte das Geschenk des Facebook-Chefs ab

Seinen Worten hat Mark die Taten schon vorausgeschickt, indem er die Initiative Internet.org lancierte. Sie sieht vor, über solarbetriebene Drohnen und Satelliten das Internet gratis zu jenen Menschen zu bringen, die bisher keinen Zugang zum Netz haben. So auch zu knapp einer Milliarde Inder, die derzeit noch vom Web abgeschnitten sind. Doch die Regierung wies Marks Geschenk zurück. Denn das auch als Free Basics bekannte Angebot beinhaltet lediglich den Zugang zu Facebook und einigen wenigen weiteren Websites, nicht aber zum offenen Internet.

Kritiker sagen deshalb, Mark gehe es nicht darum, allen Menschen «das Internet» zu bringen, sondern alle Menschen an Facebook zu binden. Solche Aussagen nerven den Facebook-Chef, wie sich auch in Barcelona zeigte. Auf eine kritische Frage der «Wired»-Journalistin, die ihn auf der Bühne vor Publikum interviewen durfte, meinte er etwas ratlos: «Ich weiss, niemand glaubt, dass eine Firma nicht nur Gewinn machen, sondern auch die Welt verbessen will.» Doch bei Facebook sei das tatsächlich der Fall. Auch eine profitable Firma könne eine Mission haben und die Welt zu einem besseren Ort machen.

Egal wie sehr sich Mark bemüht – als Wohltäter wollen ihn die Menschen einfach nicht wahrnehmen. Als er vor wenigen Monaten bekannt gab, dass er 99 Prozent seines Vermögens spenden werde, wurde ihm das als Marketingtrick angelastet. Man wies darauf hin, dass es sich erst um eine Ankündigung und nicht um eine tatsächliche Spende handle, denn das Geld fliesst nur sukzessive über Jahre hinweg in sein Stiftungs-Projekt.

Mit dem Image ist es wie mit einem Facebook-Foto: Es bleibt einfach da

Das Misstrauen an seiner Person hat durchaus Gründe. Und diese liegen vor allem in der Vergangenheit. Einst hat Facebook seine Privatsphäre-Einstellungen quasi im Wochentakt geändert, damit die Nutzer verwirrt und dafür gesorgt, dass diese mehr über sich öffentlich preisgeben, als sie eigentlich wollten. Geschadet hat ihm aber bestimmt auch der Film «The Social Network» von David Fincher aus dem Jahr 2010, der ihn als asozialen Egomanen darstellt. Genauso wenig förderlich für sein Image waren die unbedachten Aussagen früherer Jahre. So bezeichnete er einmal – zumindest indirekt – die Privatsphäre als überholtes Konzept. Und sagte Sätze wie: «Wer nichts zu verbergen habe, der müsse auch nichts befürchten.»

Heute achtet er penibel auf jedes einzelne Wort, weshalb er am Mobile World Congress so arg ins Schwitzen kam. Es war heiss in der Halle, und das Mikrofon quietschte und pfiff ständig, sodass das Sprechen zur Tortur wurde (ausgerechnet an einer Technikmesse gab es technische Probleme). Der Facebook-Gründer konzentrierte sich und legte einen gelungenen Auftritt hin. Doch was auch immer Mark tut, das schlechte Bild, das die Menschen von ihm haben, wird er wohl nie mehr ganz korrigieren können – so wie sich peinliche Fotos auf Facebook nie mehr ganz löschen lassen.