Persönlich
Warum es viel schöner ist, mit Stil unterwegs zu sein

Christian Dorer
Christian Dorer
Drucken
Teilen
Christian Dorer

Christian Dorer

Nordwestschweiz

Nie begegne ich mehr freundlichen Menschen, als wenn ich mit meinem VW Käfer von 1969 oder meinem VW-Bus T2 von 1974 unterwegs bin. Da ernte ich fröhliche, bewundernde Blicke. Da wird mir zugewinkt. An der Tankstelle werde ich angesprochen und um ein Selfie gebeten (mit dem Oldtimer, nicht mit mir). Und wenn ich mich in einer fremden Stadt ins Fahrverbot verirre, ärgert sich niemand – im Gegenteil: Bewohner und bisweilen gar Polizisten freuen sich und weisen zuvorkommend auf den richtigen Weg zurück.

Am nächsten Sonntag, 7. August, organisiert die az in Partnerschaft mit Emil Frey Classics die erste az-Oldtimer-Tour. Das Echo war überwältigend: Fast 200 Leser wollten mit ihren historischen Fahrzeugen teilnehmen – das älteste ein Ford T von 1925. Weil eine Tour mit derart vielen Autos den Rahmen sprengen würde, haben wir 66 ausgewählt. Alle Leserinnen und Leser sind aber herzlich zu einem Augenschein eingeladen am Mittagshalt von 13 bis 14.30 Uhr in Brunegg.

Warum faszinieren alte Autos? Warum sind im Aargau fast 5000 Fahrzeuge als Veteranen eingelöst? Warum investieren derart viele Menschen Geld und Arbeit in Oldtimer, wo es doch günstigere, bequemere, modernere Autos gibt?

Da sind zum einen Erinnerungen an Autos, die einen als Kind geprägt haben. Meine Eltern etwa hatten einen orangen VW Käfer, als Baby war ich in die käfertypische Grube hinter dem Rücksitz gebettet. Als ich sechs war, wurde der Käfer verkauft. Ich weinte, als er abgeholt wurde. Solche Geschichten haben viele Oldtimer-Besitzer zu erzählen.

Zum anderen ist es ein anderes Lebensgefühl, ein Auto zu lenken, das Geschichte und Charakter hat. Früher hatte jede Marke ihr Design; ein Citroën war von weitem als Citroën erkennbar, ein Opel als Opel, ein Subaru als Subaru. Heute entscheidet viel stärker die Aerodynamik über das Äussere, mit dem Effekt, dass die heutigen Autos alle ähnlich aussehen. Alte Autos hingegen haben ihren ganz eigenen Stil, ihre
eigene Formsprache. Sie sind nicht austauschbar.

Okay, neue Autos haben Sicherheitsgurte, Knautschzone, ABS, Klimaanlage, Sitzheizung, Einparkhilfe, integriertes GPS und vieles mehr. Das macht sie sicherer und komfortabler. Den eigentlichen Zweck eines Autos erfüllt mein Käfer von 1969 aber ebenso wie ein Luxusschlitten von 2016: Ich gelange gleich schnell von A nach B.

Aktuelle Nachrichten