Warten auf die Schlangologen

Jörg Meier
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Man möchte meinen, in diesen seltsamen Tagen seien längst alle Themen von mehr oder weniger zuständigen Experten (meist sind es ja Männer) besetzt. Doch nachdem nun Läden und Geschäfte nach und nach unter erschwerten Bedingungen wieder offen sind, muss man sich schon fragen: Wo bleiben eigentlich die Schlangologen? Jene Schar von Experten, die uns erklären, wie wir uns in den unendlich langen Schlangen des Wartens verhalten sollen. Wie geht richtiges, erfolgreiches, entspanntes Stehen in der Schlange? Macht Schlange stehen auf die Dauer krank? Aggressiv? Was ist mit der Methode des meditativen Schlange Stehens – taugt sie oder müssen wir erst noch auf weitere Testergebnisse warten? Was können wir Baumarktansteher von den Menschen aus fernen Ländern lernen, die stundenlang für ein wenig Nahrung in der Schlange stehen? Ist da ein Wissenstransfer möglich?

Da tut sich ein weites Feld auf. Vor der Psychologie der Warteschlange steht die Ökonomie derselben. Stimmt es, dass ein falsch konzipiertes System der Warteschlange ein Unternehmen Millionen kosten kann? Mathematiker haben errechnet, dass eine lange Schlange theoretisch mindestens gleich schnell ist wie mehrere kürzere. Nur sind lange Schlangen unerhört abschreckend. Und welchen Einfluss hat Warten in der Warteschlange auf die Scheidungsrate?

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Den Schlangologen gehört die Zukunft. Zumindest bis die nächsten Experten gefragt sind.