Fahrländer
War das Jahr, das war, ein gutes Jahr?

Noch drei Tage, dann haben wir das Jahr 2018 geschafft. Der ehemalige Chefredaktor der Aargauer Zeitung sinniert über das bald vergangene Jahr. War es ein gutes Jahr für den Aargau?

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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Das Jahr ist bald vorüber. Zum Glück oder zum Pech?

Das Jahr ist bald vorüber. Zum Glück oder zum Pech?

Dreamtime/Vpicsuk

Es war das Jahr, in welchem sich, nach tiefschwarzen Wolken, der Finanzhimmel wieder aufgehellt hat. Allerdings hat sich an der Struktur des Staatshaushaltes nicht viel verändert. Vor allem Sondereffekte haben zur Verbesserung der Lage geführt.

Es war das Jahr, in dem kantonalpolitisch wiederum nicht sehr viel lief, nur drei Abstimmungen, die zu reden gaben, und nur ein gutes Dutzend Grossratstage. Die Gesetzesmaschinerie läuft wahrlich nicht auf Hochtouren. Ist das nun gut (mehr Freiheit, weniger Staat) oder einfach Ausdruck von Sparzeiten im Sparstaat?

Es war das Jahr, in welchem wir, dank Weltkriegsende vor 100 und 68er-Aufbruch vor 50 Jahren, etwas geschichtsträchtiger unterwegs waren als auch schon.

Noch ein paar Sonderthemen, die spontan, subjektiv und unvollständig in mir aufsteigen:

Aus dem Gesundheitsdepartement kam endlich ein Gesetzesentwurf: das neue Spitalgesetz. Es wurde recht positiv aufgenommen, der grosse Krach ist auf die Folgeerlasse verschoben (Spitalverordnung, Spitalliste etc.). Zu Recht wurde allerdings bemängelt, dass die Frage einer Privatisierung der Kantonsspitäler nicht einmal ansatzweise auftaucht.

Die Gefahr, dass der Aargau zum Vorreiter in Energie- und Umweltfragen aufsteigt, ist trotz Hitzejahr klein. Das Energiegesetz mit an sich fälligen Umweltvorgaben droht an einer unheiligen Allianz von links (zu wenig Regulierung!) und rechts (zu viel Regulierung!) zu scheitern.

Die Infrastruktur-Belastung bleibt hoch. So droht im Ostaargau durch neue Abflugrouten ab Kloten mehr Fluglärm – und die Chance, dass das Atommüll-Endlager nicht auf beziehungsweise unter Aargauer Boden errichtet wird, bleibt relativ klein.

Die Deindustrialisierung im Industriekanton Aargau setzt sich fort. Durch Umstrukturierungen und Verkäufe bei ABB und General Electric sind unter anderem die Standorte Baden, Wettingen, Lenzburg, Birrfeld und Oberentfelden betroffen.

Und nun also: 2019. Wird es spannend(er)? In einer Beziehung sicher: Am 20. Oktober finden die eidgenössischen Wahlen statt. Der Aargau hat 16 Nationalrats- und zwei Ständeratsmitglieder zu bestimmen. Es gibt viele Rücktritte, das sorgt für Spannung. Die Wahlen werden uns das ganze Jahr beschäftigen. Die Frage ist allerdings: Wer ist «uns»? Man hat mitunter das Gefühl, im monatelangen Aufregungszustand befänden sich vor allem die Kandidierenden und die Medien. Das Volk steht daneben und wundert sich.