Listenverbindungen
Wahlkampf mit dem Taschenrechner

Wenn es um die Bündnisse für die Nationalratswahlen im Herbst geht, haben die Parteien ein Problem. Zuerst versuchen sie gut drei Jahre lang, ihr Profil zu schärfen, sich möglichst eigenständig zu geben und von der politischen Konkurrenz abzugrenzen.

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Die Aargauer Bürgerlichen gehen eine Listenverbindung ein. Im Bild die Parteipräsidenten Thomas Burgherr (SVP), Matthias Jauslin (FDP) und Markus Zemp (CVP).

Die Aargauer Bürgerlichen gehen eine Listenverbindung ein. Im Bild die Parteipräsidenten Thomas Burgherr (SVP), Matthias Jauslin (FDP) und Markus Zemp (CVP).

Chris Iseli

Doch dann, wenn das Wahljahr beginnt, suchen sie Allianzen – zum Teil auch mit Partnern, die sie vorher politisch bekämpft haben.

Zuerst schlossen SP und Grüne eine Listenverbindung – «als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Haltung», wie es hiess. Dann folgten SVP, FDP und CVP – mit dem Ziel, den 16. Sitz für den Kanton Aargau ins bürgerliche Lager zu holen. Nun haben BDP, EVP und GLP ihre Zusammenarbeit verkündet – als konstruktive Kräfte in der Mitte wolle man der Wählerschaft eine Alternative zu den Polparteien bieten.

Für die Stimmenden macht dies die Entscheidung, welche Partei sie wählen sollen, nicht unbedingt einfacher. Vor allem CVP-Wähler könnten ins Dilemma geraten: Denn wo in Orange CVP draufsteht, ist auch ein bisschen dunkelgrüne SVP drin. Wer zum Beispiel für die Energiewende ist und CVP wählt, könnte unter Umständen der SVP zu einem zusätzlichen Sitz verhelfen, die an der Atomenergie festhalten will.

Wie stark solche Gegensätze zwischen den Partnern das Wahlverhalten der Aargauer beeinflussen werden, ist schwer abzuschätzen. Tatsache ist: Wenn es um Listenverbindungen geht, ist der Taschenrechner, der mögliche Sitzgewinne zeigt, mindestens so wichtig wie das Parteiprogramm.

Lesen Sie hier den Artikel zum Schulterschluss von BDP, EVP und Grünliberale.

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