Kommentar
Vorschriften sind nur so gut wie Kontrollen

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Nachts droht jetzt mehr Fluglärm.

Nachts droht jetzt mehr Fluglärm.

KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

Dass die Freiheit über den Wolken grenzenlos ist, stimmt wohl nur im Lied von Reinhard Mey. Dieses stammt aus dem Jahr 1974, damals wurden am Flughafen Zürich rund 100 000 Starts und Landungen pro Jahr gezählt.

Heute sind es rund 270 000 Flugbewegungen, und das Wachstum dürfte in den nächsten Jahren weiter anhalten. Der zunehmende Flugverkehr in Zürich bringt zwar wirtschaftliche Vorteile für die Region rund um den Flughafen, aber auch Belastungen für die Anwohner mit sich.

Die Behörden, die Ausbaupläne beurteilen, Lärmschutzvorschriften erlassen und Flugzeiten festlegen, müssen die verschiedenen Bedürfnisse und Interessen sorgfältig abwägen. Mit den neuen Regelungen zu An- und Abflügen ist dem Bundesrat aus Aargauer Sicht ein akzeptabler Kompromiss gelungen. Dies gilt aber nur tagsüber – ausgerechnet nachts, wenn Lärm besonders stört, darf künftig mehr geflogen werden.

Heute starten zwischen 23 und 24 Uhr viermal mehr Flugzeuge als geplant. Die Nachtruhe wird also nicht eingehalten, die Lärmgrenzwerte werden massiv überschritten. Für betroffene Anwohner muss es wie ein Hohn klingen, dass die Zahl der Nachtflüge um bis zu 25 Prozent zunehmen könnte. Das ist, als ob ein Töfffahrer, dessen Auspuff zu laut ist, oder ein Lastwagenchauffeur, der die Ruhezeit nicht einhält, dafür noch belohnt würde. Für den Regierungsrat heisst dies: Kontrollieren, ob die Lärmvorschriften des Bundes eingehalten werden – und Druck machen beim Flughafen, wenn das nicht der Fall sein sollte.