Mail aus Amerika (3)
Verbannt aus dem Trump-Universum

Ein Kommentar von «Schweiz am Wochenende»-Chefredaktor Patrik Müller zur Veränderung der US-Politik nach Steve Bannon.

Patrik Müller
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Einst Weggefährten: Donald Trump und Steve Bannon.

Einst Weggefährten: Donald Trump und Steve Bannon.

AFP

Ausverkauft! Mit Ausrufezeichen vermeldet die «Weltwoche», dass es für ihre Veranstaltung mit Steve Bannon in Zürich keine Tickets mehr gibt. Verleger und SVP-Nationalrat Roger Köppel hat den ehemaligen Chefstrategen von Donald Trump für einen Vortrag eingeladen, wo er am 6. März über die «populistische Revolte» sprechen wird.

Auch in Italien ist Bannon ein gefragter Mann. Kurz vor den Wahlen an diesem Sonntag
ist er nach Rom gereist, um Matteo Salvini zu unterstützen, der die Lega Nord von
einer Regionalpartei in eine landesweite nationalistische Kraft verwandelt hat («Italiener zuerst!»).

Anders als in Europa tritt Bannon in den USA kaum mehr in Erscheinung, in den Medien taucht sein Name nicht mehr auf.

Als sich am vergangenen Wochenende die wichtigsten konservativen Politiker und Aktivisten zum alljährlichen CPAC-Kongress trafen, fehlte Bannon. Ein Jahr davor hatte der «Strassenkämpfer der populistischen und nationalistischen Bewegung», wie er sich selber nennt, eine frenetisch bejubelte Rede gehalten. Das «Time»-Magazin machte ihn damals zum Cover-Boy und fragte: «Ist Steve Bannon der zweitmächtigste Mann der Welt?»

Der Nimbus des früheren Investmentbankers und Medienschaffenden, der nie ein politisches Amt innehatte, beruhte auf der These, dass Trump ohne ihn als Wahlkampfleiter nie Präsident geworden wäre. Bannon selbst verbreitete diese These in Interviews. Das verärgerte seinen Chef. Bannons Wichtigtuerei und seine Angriffe auf «Jarvanka» – Trumps Tochter Ivanka und ihren Ehemann Jared Kushner – führten dazu, dass Bannon im vergangenen August seinen Job im Weissen Haus verlor, wie Michael Wolff in seinem Skandalbuch «Fire and Fury» detailliert beschreibt. Es rangiert noch immer auf Platz 1 der Bestseller-Listen und liegt in jedem Walmart prominent auf. Und es bewirkte, dass Trump öffentlich mit Bannon brach, weil dieser im Buch die «Jarvankas» beschimpfte (Ivanka sei «dumm wie ein Backstein»). Bannon verlor darauf auch seinen Job beim rechtslastigen Online-Portal Breitbart News. Nun ist er komplett aus dem Trump-Universum verbannt.

Mit Bannons Verschwinden geht eine Neuerfindung Donald Trumps einher. Seit dem Abgang des Chefstrategen habe sich Trump dem republikanischen Establishment angenähert, stellt das Magazin «The Atlantic» fest. Und das Establishment seinerseits hat sich mit Trump arrangiert. Im November finden Zwischenwahlen statt: Die Mehrheit der Republikaner in beiden Parlamentskammern wackelt, nur wenn die Partei geschlossen kämpft, kann sie das Unheil abwenden. Trumps Steuersenkung war sein erster Grosserfolg als US-Präsident und hat zur Versöhnung mit den Republikanern beigetragen, deren Umfragewerte seither steigen. Um die Steuerreform durchzubringen, verbündete sich Trump mit Bannons Erzfeind, mit Mitch McConnell, dem Mehrheitsführer im Senat, einem klassischen Vertreter des republikanischen Establishments.

Und nicht nur das. Steve Bannon hatte in einem seiner letzten Interviews als Chefstratege noch gesagt, Hillary Clinton habe die Wahl verloren, weil sie sich von den «Fat Cats» habe kaufen lassen, «der Wall Street, dem Silicon Valley und Hollywood». Doch inzwischen ist es Trump, der den hohen Tieren der Wirtschaft den Hof macht (und sie ihm).

Als diese Woche einflussreiche Konzerne, darunter der Detailhandelsriese Walmart, beschlossen, das Mindestalter für Waffenkäufe auf 21 Jahre anzuheben, ging Trump sofort auf Kurs. Er will nun eine solche Altersgrenze im Gesetz. Obwohl dies eine Forderung der Demokraten ist, die sie nach dem Schul-Massaker in Florida erneuert haben. Breitbart News schoss darauf aus allen Rohren gegen den US-Präsidenten, den es früher immer unterstützte, und bezeichnete ihn als «Gun Grabber» («Gewehr-Wegnehmer»).

Trump mag sich von Bannons radikalen Positionen entfernt haben, doch er bleibt erratisch. Ob er am Ende das Waffengesetz wirklich verschärft? Niemand weiss das. Und obwohl er um die Zuneigung der «Fat Cats» buhlt, will er Zölle auf Stahl- und Aluminium-Importe einführen – gegen den Widerstand der US-Autoindustrie, deren Kosten sich dadurch erhöhen.

Trumps Sprunghaftigkeit dürfte sich mit den schwindelerregenden Personalwechseln im Weissen Haus nicht verringern. Kein anderer Präsident hatte einen solchen Verschleiss. Den neusten Abgang, jenen seiner Kommunikationsdirektorin Hope Hicks, bezeichnete sogar Fox News, Trumps Lieblingssender, als «harten Schlag», war sie doch seine am längsten amtierende und loyalste Mitarbeiterin.

Er sei sicher, twitterte Donald Trump, dass er eines Tages wieder mit Hicks zusammenarbeiten werde. Worte, die Steve Bannon über sich nie zu lesen bekam.

«Schweiz am Wochenende»-Chefredaktor Patrik Müller schreibt aus Boston, wo er sich für eine Weiterbildung aufhält.