Negativzinsen
Unverhoffte Zinserträge: Der Staat ist kein Casino

Der Kanton Aargau muss für Kurzfristschulden keinen Zins mehr zahlen, sondern erhält sogar selbst Zins dafür. Sogleich wurden Politikerwünsche laut. Sind diese aber realistisch? Ein Kommentar.

Mathias Küng
Mathias Küng
Drucken
Teilen
Der Kanton Aargau muss für Kurzfristschulden keine Zinsen mehr zahlen. (Symbolbild)

Der Kanton Aargau muss für Kurzfristschulden keine Zinsen mehr zahlen. (Symbolbild)

Keystone

Als die az meldete, dass der Kanton Aargau für neue Kurzfristschulden nicht mehr Zins zahlen muss, sondern sogar Zins bekommt, ging dies rum wie ein Lauffeuer. Ein findiger Leser schlug vor, er solle jetzt riesige Schulden aufnehmen, diese nach einem Jahr zurückzahlen und mit dem Zinsertrag seine Schulden tilgen. Viel bescheidener sind da Politiker. SVP-Grossrat Pascal Furer will einfach mit den unverhofften Zinseinnahmen Schulden reduzieren. Die SP fordert, dank Nationalbank-Millionen und unverhofften Zinserträgen, erst recht auf das Sparpaket zu verzichten.

Doch beide Politikerwünsche können nicht in Erfüllung gehen. Denn der Kanton rechnet aufgrund der aussergewöhnlichen Zinssituation über alles gesehen eher mit einer finanziellen Be- als einer Entlastung für den Finanzhaushalt. Richtigerweise lässt er sich von Negativzinsen nicht verführen, behält seine Strategie bei und nimmt weiterhin den kleineren Teil seiner Schulden kurz- und den grösseren Teil langfristig auf. So verteilt er das Zinsrisiko bestmöglich.

Ganz wichtig ist, dass er selbst ein Verbot von Zinsdifferenzgeschäften kennt. Gedankenspiele, man könnte jetzt riesige Schulden machen und mit Negativzinsen Geld verdienen, werden also sicher nicht umgesetzt. Zu Recht. Der Kanton ist kein Casino. Ganz abgesehen davon müsste er das aufgenommene Geld ja irgendwo parkieren und dafür auch Negativzinsen zahlen. Es wäre bestenfalls also ein Nullsummenspiel. Die punktuell ausgebrochene Negativzins-Euphorie ist somit fehl am Platz. Negativzinsen rechnen sich nur, wenn der Kanton Geld aufnimmt, das er wirklich braucht.

Aktuelle Nachrichten