Polemik
Überbordend hell – Advent oder Bordell

Tommaso Manzin
Tommaso Manzin
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Weihnachtsbeleuchtung in Brugg.

Weihnachtsbeleuchtung in Brugg.

Beleuchtung ist etwas Heikles. Wenn es gilt, zu Hause den perfekten Dimm-Grad für die Magnum-Ecke zu finden. Im Büro, wo lichtscheue Wesen morgens höchstens Kerzen vertragen, während andere ohne OP-Beleuchtung nicht in die Gänge kommen. Und ganz besonders an Weihnachten. Denn auch wenn Apostel des Zeitgeists heimlich dafür beten: Noch ist Minimal Art nicht Staatsästhetik.

Das wissen wir spätestens seit dem Beleuchtungsstreit der Zürcher Bahnhofstrasse. Nicht alle wollen zur Dekoration ihrer Strassen Jedi-Schwerter an Elektrizitätsleitungen hängen. Und nicht alle würden Jünger von Dan Flavin oder andere Prediger von Reduktion und Glück aus Neonröhren an ihren Weihnachtsbaum lassen. Manche mögen’s eben warm. Oder in Lumen umgerechnet: golden, glänzend, glitzernd.

So wundervoll Kitsch im Dezember ist – wo Licht ist, ja, da ist Schatten. Vor allem dem Strassen- und Schienennetz entlang blinkt und glitzert es dieser Tage aus jeder Ecke zuweilen derart bunt, dass man beim besten Willen nicht weiss, was da gerade über das Sichtfeld geflimmert ist: adventliches Überborden oder eben doch ein Bordell.

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