Kommentar zum «Pont Neuf»
Trotz schiefer Finanzen: Die Aarauer beweisen Mut

Mit knapp 600 Stimmen oder 54 Prozent sagen die Aarauer und Aarauerinnnen Ja zum Projekt «Pont Neuf», der neuen Kettenbrücke. Das erstaunt, muss die Stadt doch ihren Haushalt in Ordnung bringen. Der Kommentar von Aarau-Redaktor Hubert Keller.

Hubert Keller
Hubert Keller
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Der «Pont Neuf» soll so die Verbindung zur Altstadt herstellen. Rechts ist einer der umstrittenen Brückenaufgänge zu sehen. Heute stehen dort mehr Bäume (Visualisierung).

Der «Pont Neuf» soll so die Verbindung zur Altstadt herstellen. Rechts ist einer der umstrittenen Brückenaufgänge zu sehen. Heute stehen dort mehr Bäume (Visualisierung).

Zur Verfügung gestellt

Wer hätte vorgestern noch auf die neue Aarebrücke «Pont Neuf» wetten wollen? Die Gegner hatten sich sachlich zwar, aber mit solcher Vehemenz gegen das Projekt zur Wehr gesetzt, dass ein knapper und negativer Ausgang nicht überrascht hätte.

Die Gegner hatten vor allem ein Argument hervorgestrichen, das in der Stadt gegenwärtig besonders sticht: die Kosten. Tatsächlich muss die Stadt sparen. Sie muss vor allem ihre Betriebskosten in den Griff bekommen, damit sie auch dann noch ihren guten Service aufrechterhalten kann, wenn das beträchtliche Vermögen aufgebraucht ist und die Erträge daraus wegfallen.

Der Haushalt muss in Ordnung gebracht werden, das bestreitet niemand. Doch die Aarauerinnen und Aarauer haben gestern deutlich gemacht, dass sie nicht um jeden Preis sparen wollen: Die städtebauliche Bedeutung der Aarebrücke am Fuss der Altstadt und der Mehrwert für Velofahrer und Fussgänger sind ihnen wichtiger als kurzfristige Sparübungen.

Und mit dem nach 2011 wiederum deutlichen Bekenntnis zur Kunsteisbahn Keba haben sie auch ein ebenso deutliches Bekenntnis zur Region abgegeben, das nicht alle Gemeinden rund um Aarau gleichermassen mit Gegenliebe honorieren. Die Gemeindebeiträge an die Keba blieben nämlich unter den Erwartungen der Aarauer. Offenbar sind sich nicht alle bewusst, wofür das Kürzel Keba steht, nämlich für Kunsteisbahn Region Aarau.

Die Aarauerinnen und Aarauer nehmen ihre Rolle als starke Zentrumsstadt und Kantonshauptstadt wahr – trotz knapper werdender Mittel. Das ist mutig und zeugt von Weitsicht.