Festnetz-Telefonie
Tod der Quasselstrippe

Die Einnahmen aus der Festnetz-Telefonie schrumpfen für die Swisscom markant. Der Kommentar.

Beat Schmid
Beat Schmid
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Die Festnetz-Telefonie bringt der Swisscom nicht mehr viel ein. (Symbolbild)

Die Festnetz-Telefonie bringt der Swisscom nicht mehr viel ein. (Symbolbild)

Keystone

Gestern gab Swisscom die Ergebnisse für das erste Halbjahr bekannt. Auffallend an den vielen Zahlen, die der Staatsbetrieb veröffentlichte, war das stark rückläufige Kerngeschäft der Swisscom. Sie nimmt mit der Festnetztelefonie – dem eigentlichen Urgeschäft der ehemaligen Tele- com – noch mickrige 236 Millionen Franken in den letzten sechs Monaten ein.

Kunden kappen zu Hunderttausenden ihre Festnetzleitungen. Allein im letzten Halbjahr ging die Zahl dieser Anschlüsse um 278 000 zurück. Die Menschen greifen auch immer seltener zum Hörer: Die tägliche Festnetztelefonnutzung hat sich in nur fünf Jahren halbiert. Heute wird ein privates Festnetztelefon im Schnitt noch während 3 Minuten und 45 Sekunden genutzt.

Die Generation der «Quasselstrippen» scheint definitiv vorbei zu sein. Sie wird abgelöst durch die Smartphone-Junkies, die lieber chatten, liken, posten und anderes mit ihren Handys tun, aber sicher keine stundenlange Gespräche führen. Bei diesem Wandel spielt der Faktor Geld für einmal kaum eine Rolle: Telefonieren innerhalb der Schweiz ist bei vielen Anbietern als günstige Pauschale für wenige Franken im Monat erhältlich.

Und was bedeutet dieser Wandel für Swisscom, an welcher der Staat die Mehrheit hält? Sie muss sich permanent verändern und neue Angebote auf den Markt werfen. Interessant ist, dass ihr dies in Italien, wo sie ein kleiner Fisch ist, nicht vom Staat protegiert wird wie in der Schweiz, viel besser gelingt als im geschützten Heimmarkt.