FDP-Ständeratskandidat
Thierry Burkart: Mit (An-)Spannung in den Wahlkampf

Favorit Thierry Burkart setzt sich gegen Matthias Jauslin durch und steigt ins Ständeratsrennen. Doch ganz so glatt wie bei der Nomination wird der erfolgsverwöhnte Hoffnungsträger des Freisinns kaum ins Stöckli rutschen. Der Kommentar.

Rolf Cavalli
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Hat Grund zum Strahlen: Thierry Burkart.

Hat Grund zum Strahlen: Thierry Burkart.

Thierry Burkart darf Matthias Jauslin dankbar sein. Zwar zweifelte kaum jemand, dass die FDP Burkart ins Ständeratsrennen schicken würde. Aber die trotzige Gegenkandidatur des Wohler Gewerblers, gespickt mit einigen Sticheleien, sorgte wenigstens für ein bisschen Reibung und die nötige Anspannung beim Badener Nationalrat.

Davon wird Burkart nächsten Herbst noch deutlich mehr brauchen. Denn so glatt wie bei der Nomination wird der erfolgsverwöhnte FDP-Hoffnungsträger kaum ins Stöckli rutschen. Gewiss, Burkart startet aus einer optimalen Position: Als Mitte-Rechts-Politiker verkörpert er quasi den politischen Schmelzpunkt des Aargaus, im Bundeshaus hat er sich schnell einen Namen gemacht und seine jungdynamische Art kommt durchaus über den Freisinn hinaus an.

Doch der Ständeratswahlkampf wird unberechenbar. Gleich beide Aargauer Plätze sind neu zu vergeben. Bisher sechs Kandidaten von ganz links (Wermuth, SP) bis rechts (Knecht, SVP) treten an. Das eröffnet viele Kombinationen mit einigen Unbekannten.

Der FDP-Nominierte steht vor einem strategischen Vorentscheid: Weibelt er im Duett mit dem SVP-Mann für eine ungeteilte bürgerliche Standesstimme? Oder bevorzugt er den Alleingang, um Wähler aus der Mitte nicht zu vergraulen? Die zweite Variante lässt mehr Spielraum, auch wenn dort mit Marianne Binder (CVP) eine etablierte Politikerin ebenfalls Ambitionen anmeldet.

Einen Sieger gibt es jetzt schon: Das Aargauer Stimmvolk. Einen so grossen Gestaltungsspielraum hatte es bei Ständeratswahlen schon länger nicht mehr.

Thierry Burkart, geboren 1975, wuchs in Obersiggenthal auf. Politisiert wurde er nach eigenen Angaben bereits als 13-Jähriger: «Im Geschichts- und Deutschunterricht haben wir über aktuelle Themen diskutiert. Seither liess mich die Politik nicht mehr los», sagte er einst in einem AZ-Interview. Der Vorstand des Jugenparlaments Aargau, juvenat, aufgenommen am 14.01.2000 in Aarau. v.l.n.r. vorne: Daniel Bütler, Patrizia Mottl, hinten: Simon Schweizer, Thierry Burkart, Patrick Arni.
13 Bilder
Burkart studierte an der Universität St. Gallen Jus. 2001 schafft er mit gerade einmal 25 Jahren den Sprung in den Grossen Rat. Grossratswahlen 2001: Thierry Burkart, FDP, Bezirk Baden. Bilddatum: 4. März 2001.
Von 2010 bis 2013 präsidierte er die Aargauer FDP. Im Bild: Die abtretende Präsidentin Doris Fischer-Taeschler gratuliert dem neuen Präsidenten Thierry Burkart zur Wahl.
2011 kandidiert der damals 36-jährige Burkart zum zweiten Mal für den Nationalrat – und schafft es hinter den Gewählten Philipp Müller und Corina Eichenbercher auf den ersten Ersatzplatz.
2014 wird Burkart zum Grossratspräsidenten gewählt. Im Hinblick auf das Präsidium gab er im Oktober 2013 seinen Rücktritt als Präsident der FDP Aargau.
Thierry Burkart bei seiner ersten Rede als neuer Grossratspräident.
Burkart ist auch Mitglied in diversen Vorständen Schweizerischer und kantonaler Verbände. So präsidiert er die TCS Sektion Aargau und agiert als Vizepräsident Touring Club Schweiz.
Burkarts politische Selbsteinschätzung lautet: «Sicher klar bürgerlich, liberal im Sinne von Freiheit, gegen unnötige Abgaben und Gebühren. Und der Staat soll das reglementieren, was er auch zu kontrollieren vermag.»
Burkarts klare Linie ist von Erfolg gekrönt: 2015 wird er mit einem Spitzenergebnis als Zweitplatzierter noch vor Corina Eichenberger in den Nationalrat gewählt.
In der grossen Kammer nimmt er Einsitz in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, in der Neat-Aufsichtsdelegation und ist Mitglied im Büro des Nationalrats.
Anfang 2018 rückt Burkart in den Vorstand der FDP Schweiz vor. Zu diesem Zeitpunkt blickt der 43-jährige Badener auf 18 Jahre Erfahrung in Parteiämtern zurück.
Neben seinem politischen Ämtern und Mitgliedschaften in diversen Verbänden ist er als Rechtsanwalt bei Voser Rechtsanwälte in Baden tätig. Privat beschreibt er sich als gesellig. Im Bild: Am AZ-Jasskönig-Event im Weinmuseum Tegerfelden 2018.
Burkart zu Gast im Talk Täglich zum Thema Millionärssteuer-Initiative. Nur einen Tag später gibt Philipp Müller bekannt, dass er 2019 nicht mehr für den Ständerat kandidieren wird. Und Burkart? «Das Amt als Ständerat würde mich sehr reizen, in dieser Funktion könnte ich den Aargau in Bern noch besser vertreten» "Talk Täglich" zur Millionärssteuer-Initiative mit Thierry Burkart (FDP, Mitte) und Sandro Covo (Juso, links), moderiert von Rolf Cavalli.

Thierry Burkart, geboren 1975, wuchs in Obersiggenthal auf. Politisiert wurde er nach eigenen Angaben bereits als 13-Jähriger: «Im Geschichts- und Deutschunterricht haben wir über aktuelle Themen diskutiert. Seither liess mich die Politik nicht mehr los», sagte er einst in einem AZ-Interview. Der Vorstand des Jugenparlaments Aargau, juvenat, aufgenommen am 14.01.2000 in Aarau. v.l.n.r. vorne: Daniel Bütler, Patrizia Mottl, hinten: Simon Schweizer, Thierry Burkart, Patrick Arni.

Werner Rolli

rolf.cavalli@chmedia.ch