Leben In Aarau
Teilen wird immer einfacher

Martina Suter über das vor ein paar Jahren noch Undenkbare und was wir durch die Digitalisierung alles teilen können – auch in der Kantonshauptstadt.

Martina Suter
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Smartphones verändern auf rasante Weise unser Leben.

Smartphones verändern auf rasante Weise unser Leben.

hanspeter baertschi

Sie heissen «mobility», «Airbnb», «ParkU», «Pop-up-Store» und erfreuen sich in der Sharing-Community bereits einiger Beliebtheit. Diese Angebote haben eine geteilte Nutzung von ganz oder teilweise ungenutzten Ressourcen zum Ziel.

Das Smartphone und das Web verändern in rasantem Tempo unser Leben. Dank der digitalen Entwicklung können Angebot und Nachfrage – orientiert an Bedürfnissen von Privatpersonen, Unternehmen und anderen Anspruchsgruppen – optimal vernetzt werden.

Was würden Sie mit anderen Menschen teilen? Ein Auto, einen Roller, ein Velo, einen Parkplatz, ein Ladenlokal, eine Wohnung, ein Haus, ein Gartengerät? Die Aufzählung kann mit etwas Fantasie beliebig ergänzt werden. Was vor einigen Jahren noch undenkbar war, nimmt immer vielfältigere Gestalt an.

Mein Grossvater, ein einfacher Bergbauer, hat sich schon vor Jahrzehnten mit anderen Landwirten zusammengetan, um eine teure Landmaschine gemeinsam zu erwerben und zu nutzen. Ebenso lieh er seinen für damalige Zeiten modernen Aebi Heulader an andere Bauern aus.

Was in Landwirtschaftskreisen schon seit den 1950-er Jahren gang und gäbe ist, wurde als Modell in verschiedenen Konsumgüterbereichen übernommen. Der Carsharing-Anbieter «mobility» ist mittlerweile jedem ein Begriff. Man kann ein Auto schweizweit einfach per Handy reservieren.

Wer den Standort Aarau in der entsprechenden App eintippt, kann heute unter 18 verschiedenen Fahrzeugen, vom kleinen Smart bis zum geräumigen Transporter, verteilt über alle Stadtquartiere, wählen. Etwas ungeduldig warte ich auf die geografische Ausdehnung des Elektroroller-Angebots von «mobility». Was in Zürich ab Mitte April angeboten wird, könnte in Aarau ein Knüller
werden.

Wurde nicht kürzlich von der mühsamen Parkplatzsuche in Aarau berichtet? Die Digitalisierung hat auch für diesen Bereich eine neuartige Geschäftsidee hervorgebracht. Falls Ihr Geschäfts- oder Ihr privater Parkplatz nicht rund um die Uhr besetzt ist – was ja unwahrscheinlich ist – dann können Sie ihn auf der Plattform «ParkU» mit wenig Vorlaufszeit Fremden für eine vereinbarte Kurzdauer zur Nutzung anbieten.

Eine Win-win-Situation für den Parkplatzbesitzer und den Parkplatzsuchenden. Wussten Sie, dass es den digitalen Parkdienst in der Kantonshauptstadt bereits gibt?

Auch Ladenlokale werden geteilt. Die Kundinnen und Kunden verlangen gemäss Fachpersonen unter anderem nach einem Einkauferlebnis. Verschiedene Aarauer Ladenbetreiber haben darauf eine Antwort gefunden. Eine Variante ist, dass zwei oder mehrere Angebote im gleichen Ladenlokal präsentiert werden.

Sei dies beispielsweise ein Café kombiniert mit einem spezialisierten Kleiderladen wie im «Lucky Monkey», ein Coiffeur kombiniert mit einer Café Bar wie im kürzlich eröffneten «Lockentopf» oder gar ein Café integriert in einem Lifestylegeschäft plus Stoffladen wie im «ccino» plus «The Home Shop».

Relativ neu ist die Variante der Pop-up-Stores. Eine Ladenlokalität wird nicht im engeren Sinn mit anderen Anbietern geteilt, sondern nacheinander für kurze Dauer genutzt – sei es, um die Bekanntheit einer Marke zu steigern, um neue Märkte und Produkte zu testen oder für den Ausverkauf alter Ware. Bei der Einrichtung wird improvisiert, daher kostet sie wenig. Auch bei der Werbung wird gespart, weil vorwiegend auf die Mundpropaganda gesetzt wird.

Ein solcher Laden erweckt dennoch viel Aufmerksamkeit. Dieses Konzept bietet dem Vermieter sowie dem Mieter Vorteile. Beide tragen ihre Bedürfnisse auf der entsprechenden Online-Plattform ein und treffen im besten Fall aufeinander. In Grossstädten und Tourismusregionen schiessen sie wie Pilze aus dem Boden, da viele Ladenflächen freistehen und so eine ideale Lösung für kurz oder lang gefunden werden kann. Wann eröffnet der erste Pop-up-Store in Aarau?

Zu Martina Suter – Master of Law (MLaw)

Martina Suter (53) ist Unternehmerin, FDP-Einwohnerrätin und -Fraktionspräsidentin sowie Vizepräsidentin des Kreisschulrats Aarau-Buchs.