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Tabus beim Bewerben

Sebastian Borger, London
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Hauptsache, der Bewerber kann irgendeinen Abschluss vorweisen und flotte Aufsätze schreiben ...

Hauptsache, der Bewerber kann irgendeinen Abschluss vorweisen und flotte Aufsätze schreiben ...

Bei Historikern geniesst die englische Verwaltung einen glänzenden Ruf. Schon im Mittelalter wurden am Königshof penible Aufzeichnungen geführt, die vielfältige Rückschlüsse auf das Leben von Monarchen und Untertanen zulassen. Bis heute gilt die Regierungsbürokratie als hervorragend organisierter Hort von talentierten Leuten.

Mein Freund Helmut ist da ein wenig skeptisch. Vielleicht liegt es daran, dass er an leitender Stelle in der Verwaltung tätig ist und deren Schwachstellen kennt. Dazu zählen arbeitsrechtliche Tabus. So gilt eine bestimmte Qualifikation für bestimmte Posten als eher nebensächlich. Also arbeitet eine Historikerin in der Bankenabteilung des Finanzressorts, während ein Volkswirt im Kulturministerium die Verbindung zu Theatern und Opernhäusern hält.

Neulich wollte Helmut einem Jobbewerber die Frage stellen, warum ein Mann mit seinem Lebenslauf denn ausgerechnet diese Stelle haben wolle. Da wäre die Frau aus der Personalabteilung fast in Ohnmacht gefallen: So etwas dürfe man keinesfalls fragen. Hauptsache, der Bewerber könne irgendeinen Abschluss vorweisen und flotte Aufsätze schreiben.

So arbeitet der Mann jetzt auch, findet Helmut.