Apropos
Suizid-Versuch auf dem Lebensbaum

Max Dohner
Max Dohner
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Ohne weiteres gelingt so was nicht: bis zur Spitze hinaufzuklettern von einem Lebensbaum. Aber Julio César Bermúdez schaffte es. Der 43-Jährige ist Bürger von Nicaragua, einem immer wieder erstaunlichen Land in Zentralamerika. Einmal oben angelangt auf dem Lebensbaum, schrie Julio César allen zu, dass er sich das Leben nehmen wolle.

Mit Lebensbäumen («Arboles de la vida») hat Rosario Murillo die Hauptstadt von Nicaragua zugepflanzt. Rosario Murillo ist die Gattin des Präsidenten und gilt als heimliche starke Hand im Land. Ihre Esoterik ist berüchtigt. Die Lebensbäume sind aus Eisenstahl und werden gut und gern zehn Meter hoch. Jeder kostet 20 000 Dollar, kein Pappenstiel im armen Land. Nachts flackern einzelne Bäume dank bunten Lichtern. Einige sind goldfarben besprayt; kirchenfensterartig leuchtet Hugo Chávez darin, Venezuelas früherer Präsident.

Vielleicht hatte es also auch eine politische Bewandtnis, ausgerechnet auf einem Lebenbaum der First Lady Selbstmord zu begehen. Umso mehr, als Julio César eigens einen Lebensbaum im Regierungsviertel ausgesucht hatte. «La Prensa», die grösste Zeitung des Landes, erwähnte einen solchen Zusammenhang mit keiner Silbe. Ein Kran, schreibt sie, habe «das Subjekt» schliesslich heruntergeholt vom Baum.