Kommentar
Strafbefehl gegen Philipp Müller – Autofahrer, aufwachen!

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Übermüdet am Steuer: Philipp Müller wurde zu 150 Tagessätzen bedingt und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt.

Übermüdet am Steuer: Philipp Müller wurde zu 150 Tagessätzen bedingt und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt.

KEYSTONE/MARCEL BIERI

Er denke noch jeden Tag an den Unfall, sagt Philipp Müller. Nun hat ihn die fatale Fahrt vom
10. September 2015 auch strafrechtlich eingeholt. Der FDP-Politiker wird mit 10 000 Franken Busse und einer Geldstrafe an 150 Tagessätzen bedingt bestraft.

Untersuchungsergebnis und Strafmass zeigen zwei Dinge:
Erstens, Philipp Müller profitierte ent-gegen vereinzelter Befürchtungen nicht von einem Promi-Bonus. Die Staatsanwaltschaft hat den Spitzenpolitiker nicht geschont und beim Strafmass ihre Möglichkeiten gegen oben ausgenutzt. Mehr kann man für fahrlässige schwere Körperverletzung und Fahren in fahrunfähigem Zustand kaum aussprechen, wenn jemand nicht vorbestraft ist.

Zweitens, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Philipp Müller hat zwar immer wieder beteuert, er habe sich ausgeschlafen ans Steuer gesetzt und nichts gewusst von seiner Schlafapnoe. Aber spätestens als der Brems- und Spurassistent seines Sportwagens mehrmals aktiv wurde, hätte Müller das merken und anhalten müssen.

Was dem von Termin zu Termin hetzenden Politiker Müller passiert ist, kann jedem Autofahrer widerfahren. Noch immer wird Müdigkeit am Steuer unterschätzt und verdrängt. Dabei kann dies genauso schlimm enden, wie wenn sich jemand betrunken auf die Fahrt macht. Vielleicht weckt uns Müllers Unfall und seine Folgen buchstäblich auf. Denn wem sind noch nie die Augen zugefallen beim Autofahren, sei es auch nur für einen Bruchteil eines Moments!

Philipp Müller muss damit leben, eine junge Frau schwer verletzt zu haben. In der Öffentlichkeit hat er dies bisher mit Demut und Anstand getan. Sein Anwalt hat vorsorglich Einsprache erhoben gegen den Strafbefehl.

Müller tut aber gut daran, das Verdikt ruhen zu lassen. Im Sinne des Opfers und seiner eigenen Glaubwürdigkeit.