Fahrländer
Stipendien: Hier sparen, dort zahlen

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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In zwei Wochen wird nicht nur die lange, hochemotionale Schlacht um die Radio- und Fernsehgebühren endlich entschieden. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Aargau haben auch über eine Änderung der kantonalen Stipendienordnung zu befinden. Anfänglich ganz im Schatten von «No Billag», hat das Stipendiengesetz doch noch einige Emotionen provoziert. Die jungen Menschen sollen künftig ein Drittel der Stipendien als Darlehen beziehen und später zurückzahlen. Der Kanton entlastet seinen Haushalt damit um jährlich 2,4 Mio. Franken. Kommt die Änderung durch, gegen welche Mitte-Links im Grossen Rat das Behördenreferendum ergriffen hat, wird der Aargau stipendienmässig zum knausrigsten Kanton der Schweiz.

Hans Fahrländer...

... war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik.

hans.fahrlaender@azmedien.ch

Bei den Beratungen des Gesetzes im Grossen Rat ist mir aufgefallen, dass viele, vor allem bürgerliche Ratsmitglieder einen ziemlich eingeengten Sichtwinkel hatten und einer allzu kurzfristigen Betrachtungsweise huldigten. Und zwar in zwei Punkten. Zum einen: Den Einsparungen bei den Stipendien stehen dafür Mehrausgaben bei einem anderen Posten des Staatshaushaltes gegenüber. Und das geht so: Wer stipendienmässig knapp gehalten ist, muss während des Studiums arbeiten. Wer während des Studiums arbeitet, studiert länger. Wer länger studiert, belastet die Staatskasse mehr, denn der Aargau zahlt für jeden seiner Studierenden für jedes Semester Geld an die Hochschulen. Eigentlich logisch, oder?

Und zum anderen: Einmal mehr wurden in der Debatte die beiden Wege «Berufsbildung» und «Gymnasium/Studium» gegeneinander ausgespielt. «Lehrlinge bekommen auch keine Ausbildungsbeiträge!» tönte es von rechts. Richtig. Lehrlinge beziehen ja auch ab 16 einen Lohn und starten früher ins Erwerbsleben. Und was die Staatskasse betrifft: Menschen mit höherer Bildung liefern in aller Regel höhere Steuern ab. Also wiederum: einäugig, kurzfristig. Und überhaupt, dieses Ausspielen. Diese unterschwellige Haltung, die Jungen würden «gschider öppis schaffe» statt an Universitäten rumzuhängen. Das Wichtigste ist doch, dass die jungen Menschen jenen Ausbildungsweg, jenen Beruf finden, der ihren Neigungen und Fähigkeiten am besten entspricht. Und aus Sicht des Staates sollte gelten: Alle Massnahmen, welche talentierte, aber nicht so begüterte Menschen von einer höheren Ausbildung abhalten, sind Talent-Verschleuderung und einer zivilisierten Gesellschaft eigentlich unwürdig.

Darum geht es am 4. März. Und nicht bloss um die rote Stipendien-Laterne unter den Kantonen.