Meiereien
Spucker of the Match

Frau Lüscher hat wieder angerufen. Wegen der Fussball-EM. Weil da die Spieler ständig auf den Rasen spucken. Und das ziemlich heftig. Das findet Frau Lüscher grundsätzlich gruusig.

Jörg Meier
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Skandal: 2004 spuckt Frei den Engländer Steven Gerrard an. Fussballer spucken häufig, meist aber auf den Rasen.

Skandal: 2004 spuckt Frei den Engländer Steven Gerrard an. Fussballer spucken häufig, meist aber auf den Rasen.

Keystone

Aber noch schlimmer: Ihr Jüngster,der Sandro, der bei den D-Junioren tschuttet, der habe sich das bei den Grossen abgeschaut und spucke jetzt auch ständig auf dem Platz herum. Ob denn die Fifa nicht endlich das Spucken verbieten könne. Tennisspieler täten es ja auch nicht ständig und die Schwinger schon gar nicht.

Ich sagte Frau Lüscher, die Spuckerei gefalle mir auch nicht, ja, sie habe recht, nicht einmal unser Roger könnte es sich erlauben, nach einem misslungenen Return auf den Rasen von Wimbledon zu spucken. Ich erzählte ihr, dass mal ein Spuckfachmann gezählt hat und bis zu 200 Spuckvorfälle in 90 Minuten festgestellt hat.

Was ich Frau Lüscher nicht erzählt habe, ist dies: Auch die Fifa hat festgestellt, dass die Filme in super Slow-Motion von spektakulär spuckenden Fussballern im Internet sehr beliebt sind. Sie werden fast öfter angeklickt als die besten Torszenen.
Im Bestreben, den Fussball attraktiver zu machen, hat die Fifa beschlossen, ab sofort über jeden Spieler auch eine offizielle Spuckstatistik zu führen, die während des Spiels eingeblendet werden kann, ähnlich etwa wie die Zahl der absolvierten Kilometer oder der Torschüsse. Eine Jury wird zudem nach jedem Match den Spucker of the Match auszeichnen.
Nicht gewertet wird das Rotzen, also die Verschleuderung von Nasenschleim verschiedenster Konsistenz. Weiterhin gilt jedoch die alte Grundregel: Wer einen Gegenspieler anspuckt und erwischt wird, kriegt Rot. Fairplay geht über alles.

«Hallo», hörte ich Frau Lüscher rufen, «sind Sie noch da?»

joerg.meier@azmedien.ch