Kolumne
Sprechen wir mal über PMS und Tante Uti

In ihrer Kolumne schreibt Social-Media-Star, Moderatorin und D-Promi Gülsha Adilji über das prämenstruelle Syndrom und Tante Uti.

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Manchmal will man sich einfach unter der Bettdecke verkriechen – Gülsha Adilji über das prämenstruelle Syndrom.

Manchmal will man sich einfach unter der Bettdecke verkriechen – Gülsha Adilji über das prämenstruelle Syndrom.

zvg/SRF/Claudia Herzog

Prämenstruelles Syndrom. Wääääääähhääää, sie hat menstruell gesagt. Uterus-Öppis. Blut. Grusig. Gang weg! Aber da es mich betrifft, betrifft es meine Mitmenschen auch. Sie sind Mitmenschen: zack, mitgegangen, mitgefangen.

Gerade jetzt sitze ich schwitzend und gefühlte fünf Kilo schwerer auf dem Sofa und versuche zu ignorieren, dass mein Bauch drei Wellen wirft und mein Bauchnabel nicht mehr zu sehen ist. Man sieht ihn eigentlich nie, wenn ich sitze, aber nur einmal im Monat bemerke ich das auch. Ich hebe immer wieder mein Shirt und versuche, die Sicht zum Nabel zu erzwingen, mit Arme in die Luft strecken und Muskeln anspannen. Scheiss drauf, die Guetzli-Packung ist ja jetzt schon offen.

Gestern habe ich in der Dusche geweint, weil meine Mitbewohnerin ohne Tschüss zu sagen aus dem Haus ist. Geweint. In der Dusche. Danach bin ich ins Bett, es war erst halb neun. Mit einer WC-Rolle unter dem Arm rotzte ich mich in den Schlaf. Hormone, ich bin ehrlich wehrlos gegen diese Bastarde.

PMS hits me like a wrecking ball

PMS hits me like a wrecking ball. Die Tage vor den Tagen. Es ist, als würden sich meine Gebärmutter und ihre Launen auf mich übertragen und mich komplett einnehmen. Ich stelle mir mein Untenrum als nette alte Frau vor. In meiner Fantasie backt sie jeden Monat einen Marmor-Gugelhopf für ihre gute Freundin. Sie kocht singend Kaffee, weil sie weiss, der Besuch ist bald da. Alles tut sie mit Sorgfalt und Liebe, sie verwendet das gute Porzellan und für den Kuchen nur die besten Produkte: Bio-Butter und Demeter-Eier.

In freudiger Erwartung giesst sie den Kaffee in die Tassen; sie weiss, dass es gleich klingeln wird und ihre Kameradin es sich mit ihr gemütlich machen wird. Es dampft wohlriechend aus den Tassen, der Gugelhopf wird nochmals auf dem Tisch umplatziert und mit Zuckerstaub veredelt. Aber nichts passiert. Niemand kommt. Ihr Besuch lässt sie einfach sitzen. Alles umsonst, die Butter verschwendet und das Geschirr vergebens angebraucht. Jetzt muss sie alles aufräumen und den Kuchen kübeln. Die arme alte Frau, alleine essen macht keinen Spass. Die ganze verschwendete Energie.

Ich spüre, wie sie hässig die Gabeln in die Spüle wirft. Ich drücke die unterste Bauchwurst zusammen, gleich darunter wohnt Tante Uti, sie spült grad passiv-aggressiv alle Kaffeetassen aus. Es wird gelitten, wenn man unbefruchtet bleibt, es ist, als würde sich die gesamte Natur grad unsäglich aufregen und mir zukreischen: «YOU HAD ONE JOB.»

Emotional auf Berg-und-Tal-Fahrt

Grundsätzlich wäre das alles ja irgendwie halb so schlimm, wenn ich komplett abgeschottet von allen anderen diese emotionale Berg-und-Tal-Fahrt durchmachen könnte; dann würde ich halt einfach in den Laptop reinweinen und mich über Tweets aufregen, aber geht halt irgendwie nicht, wer soll denn die Welt am Laufen halten, wenn ich monatlich fehle? Also atme ich langsam ein und noch langsamer aus – wie ich es im Yoga gelernt habe – und versuche herauszufinden, ob ich wirklich enttäuscht bin über meine Mitbewohnerin oder ob mir meine PMS wieder mal übel mitgespielt hat.

Noch schrecklicher, als an PMS zu leiden, ist, wenn jemand theatralisch das Handy zückt und den Kalender öffnet, um höhnisch zu bemerken: «Ahhh, es ist wieder diese Zeit.» Schlimm genug, dass ich mich von dieser gehässigen alten Frau im Parterre so mitreissen lasse, es wird aber ins schier Unendliche potenziert, wenn jemand glaubt, meine Gefühle und emotionalen Wechselbäder zu durchschauen. Denn wenn ich sie noch nicht mal wirklich einordnen kann, wie soll das jemand anderes, jemand ohne eine Tante Uti?