Apropos
Sommergewitter

Rosmarie Mehlin
Rosmarie Mehlin
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Auf Hitzeperioden folgen manchmal Gewitter.

Auf Hitzeperioden folgen manchmal Gewitter.

KEYSTONE/EPA DPA/PATRICK PLEUL

Die Sonne steht zwar schon länger nicht mehr im Zenit, aber der Himmel wetteifert mit dem Blau des Wassers in der Badi um die Wette. Plötzlich aber bauen sich am Horizont weisse Gebilde auf, die sich – begleitet von fernem, düsterem Grollen – zunehmend gräulich verfärben, sich schliesslich beinahe schwarz aufplustern und schliesslich zu platzen drohen. Blitzschnell – im wahrsten Sinn des ersten Wortteils – leeren sich die Bassins. Dann öffnet der Himmel seine Schleusen!

Einige Minuten später ähnelt der Kassenbereich dem Check-in-Bereich im Flughafen Kloten am ersten Sommerferien-Tag: Beladen mit Taschen, stehen Männlein, Weiblein und Kids in Shorts, Shirts und Flipflops vor dem Ausgang. Anders als in Kloten gesellt sich indes leise Verzweiflung zum Ausdruck grosser Erwartungen in den Gesichtern. Eine Frau telefoniert: «Bisch scho dehei? D’ Wösch isch no dusse.» Ein Bub schlägt vor, die Luftmatratze als Schirm zu benutzen. Die Mutter ist dagegen.

Der Himmel hat kein Erbarmen. Es regnet Bindfäden, scheint eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr aufzuhören. Selbst als aus den Fäden einzelne Tropfen werden, tut niemand den ersten Schritt ins Freie. Es reicht, dass die Badetücher in den Taschen nass sind und dass gar so mancher Haarschopf vor sich hintröpfelt. Ins Bassin springen ist freiwillig und somit Vergnügen. Verregnet werden hingegen ist Diktatur von oben. Und wer fügt sich solcher schon telquel?