Persönlich
So wurde ich das Monster fast los

Michel Ecklin
Michel Ecklin
Drucken
Teilen

KEYSTONE/AP/JEFF CHIU

Wie ich zu meinem Google-Konto kam, weiss ich nicht mehr. Vermutlich wollte ich irgendwann nur mal kurz ein Online-Album erstellen, klickte unter einem kilometerlangen Vertrag auf «Okay» – und schon hatte mich das Monster aus dem Silicon Valley. Um nicht ganz verschlungen zu werden, kam mir neulich die Idee, mich vom Monster zu befreien. Schliesslich habe ich eine Privatsphäre. Und man will nicht mitschuldig an der Unterwerfung der ganzen Menschheit sein.

Eigentlich war es gar nicht so schwierig, die Seite «Mein Google-Konto löschen» zu finden. Der digitale Multi war sogar so nett, mich zu warnen, was ich alles nicht mehr tun kann, sobald ich ihm untreu bin. Dabei entdeckte ich Funktionen, die ich gar nicht kannte (und vielleicht ganz nützlich gewesen wären). Ich gebe zu, ich habe jeden Punkt sorgfältig durchgelesen. Und etwas gezögert hab ich natürlich auch. Aber schneller als befürchtet stiess ich zum Finale vor: «Mein Google-Konto definitiv auflösen». Ein Klick, und mein Leben war befreit von der Krake. Ein klein bisschen fühlte ich mich als digitaler Revolutionär.

Was dann kam, erinnerte an die letzte Szene von richtig miesen Comics. Die Helden feiern gerade mit flotten Sprüchen ihren Sieg über das Böse – da grinst aus einer Bildecke ein ausgerottet geglaubtes Biest und macht klar: Das Unheil ist noch lange nicht vorbei. Bei Google sah das nicht so glückliche Ende so aus: Ich erhielt ein Mail, in dem mir erklärt wurde, ich könne mit wenigen Klicks mein Konto so wiederherstellen, wie es bisher gewesen war.

Mein Abschied von Google erinnerte an die letzte Szene von richtig miesen Comics.

Aktuelle Nachrichten