Kommentar
Skandalarzt Hareshchandra Shah: Nicht erteilen ist besser als entziehen

Ein 83-jähriger Arzt, der mehrfach vorbestraft ist, darf im Aargau definitiv nicht mehr praktizieren. Die Behörden müssen genaue Abklärungen treffen, bevor sie eine Bewilligung erteilen, schreibt Fabian Hägler in seinem Kommentar-

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Der Skandalarzt aus Klingnau

Der Skandalarzt aus Klingnau

Blick/Ralph Donghi

Der definitive Entzug der Praxisbewilligung ist eine einschneidende Massnahme für einen Arzt. Konkret bedeutet diese Sanktion ein Berufsverbot. In den letzten fünf Jahren gab es in der Schweiz 19 solche Fälle, zwei davon im Aargau: 2012 wurde Ingo Malm aus Rudolfstetten die Bewilligung entzogen, nun Hareshchandra Shah aus Klingnau. In beiden Fällen gingen dem Entzug der Bewilligung, der vom Bundesgericht bestätigt wurde, Verurteilungen wegen Betäubungsmitteldelikten voraus.

Und es gibt eine weitere Parallele: Malm und Shah sind in Deutschland vorbestraft. Die kantonalen Behörden im Aargau, die den beiden Ärzten die Bewilligung erteilten, wussten nichts davon. Gesundheitsdirektorin Franziska Roth bezeichnet die Affäre um Shah als Einzelfall. Das trifft für Roths Amtszeit seit Anfang 2017 zu, doch schon ihre Vorgängerin Susanne Hochuli hatte mit Malm einen sehr ähnlichen Fall.

Die zwei Verfahren zogen sich hin, bis der Entzug der Praxisbewilligung rechtskräftig war, dauerte es Jahre. Dass der Kanton eingriff und die straffälligen Ärzte nun keine Patienten mehr behandeln dürfen, war nötig und richtig. Besser wäre es gewesen, Malm und Shah hätten keine Bewilligung im Aargau erhalten. Nach dem Motto: Vorbeugen ist besser als heilen – oder auf die Bewilligung bezogen: Nicht erteilen ist besser als entziehen. Es geht nicht darum, ausländische Ärzte unter Generalverdacht zu stellen. Die Behörden müssen aber genaue Abklärungen treffen, bevor sie eine Bewilligung erteilen. Dazu gehört ein Strafregisterauszug aus dem Herkunftsland – und lieber eine Nachfrage mehr als weniger.

Doktor Hareshchandra Shah hat seine Praxis im August 2008 am Achenbergweg 5 in Klingnau eröffnet.
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Über zehn Jahre lang hat er hier Patientinnen und Patienten behandelt.
Franziska Roth begrüsst das Urteil des Bundesgerichts. Es bestätigt den Entzug der Berufsausübungsbewilligung des Gesundheitsdepartements, dem Roth vorsteht.
Seine Praxis muss Doktor Shah nach dem Urteil des Bundesgerichts innert 60 Tagen auflösen.
Das Praxisschild muss Doktor Shah nun entfernen.
Als Shah im Jahr 2008 vom Aargauer Gesundheitsdepartement die Berufsausübungsbewilligung erhielt, war dessen Vorsteher der Regierungsrat Ernst Hasler (SVP).
Hasler wurde von Susanne Hochuli (Grüne) abgelöst, die ab 2007 bis Ende 2016 während acht Jahren dem Gesundheitsdepartement vorstand und schliesslich von Franziska Roth abgelöst wurde.
Der heutige Kantonsarzt Martin Roth war schon im Amt, als Shah die Bewilligung erhielt. (Bild von 2011)
Der Eingang zur Praxis befindet sich im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses.
Shah hält sich zur Zeit des Bundesgerichtsurteils vom April noch täglich oder fast täglich in seiner Praxis auf.
Shah muss die Praxis nach dem Urteil des Bundesgerichts innerhalb von 60 Tagen auflösen.

Doktor Hareshchandra Shah hat seine Praxis im August 2008 am Achenbergweg 5 in Klingnau eröffnet.

Philipp Zimmermann; Blick/Ralph Donghi