Brexit
Shakespeare und die EU

In vier Monaten werden die Briten darüber befinden, ob sie EU-Bürger bleiben wollen oder nicht. Das Ergebnis wird auch das politische Schicksal von zwei Parteifreunden beeinflussen, von Premierminister David Cameron und dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson.

Dagmar Heuberger
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David Cameron und Boris Johnson

David Cameron und Boris Johnson

Keystone/AP/EPA

In or out»? Drinnen oder draussen? Ja oder Nein zur Europäischen Union? In genau vier Monaten, am 23. Juni, entscheiden die Briten über die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der EU und damit über ihr Verhältnis zu Europa. Das Referendum ist wegweisend – für Grossbritannien und für die EU: Sollten die Briten für das «Out» votieren, wäre es das erste Mal, dass ein Mitglied den europäischen Staatenbund verlässt. Das könnte womöglich den Anfang vom Ende der EU bedeuten.

Die Schicksalsfrage wird überlagert von der Rivalität zweier Männer: Premierminister David Cameron auf der einen und dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson auf der anderen Seite. Die beiden sind nicht nur Parteifreunde, sondern seit ihrer gemeinsamen Zeit an der Eliteschule Eton auch Konkurrenten. Johnson war der talentiertere, selbstbewusstere, cleverere; Cameron galt als durchschnittlich. Dass Cameron dennoch Premierminister wurde, hat Johnson nie verkraftet.

Jetzt hat sich der Londoner Bürgermeister nach langem Zögern für den EU-Austritt ausgesprochen. Für Cameron ist das ein harter Schlag. Denn Johnson, den alle nur «Boris» nennen, ist sehr beliebt. Ihm wird zugetraut, die noch unentschlossenen Wähler ins Nein-Lager ziehen zu können. Siegen aber am 23. Juni die EU-Gegner, wird Cameron wohl zurücktreten müssen. Und für Johnson stünde die Tür in Downing Street 10 weit offen.

«In or out»? In der EU sein oder Nichtsein? Wenn zwei Politiker ihren Machterhalt und ihren persönlichen Ehrgeiz über das Interesse ihres Landes, ja ganz Europas stellen, dann ist das Stoff für eine Tragödie nach Shakespearschem Vorbild.

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