Kommentar
«Service public»: Das Volk ins Bild gesetzt

«Geld. Jenseits von Gut und Böse» heisst die neue Ausstellung des Stapferhauses in Lenzburg. Ein Kommentar dazu, dass es uns damit mehr sagt, als wir über uns und die Welt zu wissen glaubten.

Christoph Bopp
Christoph Bopp
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Fünfräppler in Hülle und Fülle gibt es zurzeit im Stapferhaus zu sehen.

Fünfräppler in Hülle und Fülle gibt es zurzeit im Stapferhaus zu sehen.

Jiri Reiner

Manchmal verrät uns die Sprache mehr über uns, als wir bereits zu wissen glaubten. «Jemand wird ins Bild gesetzt» – ja, vielleicht klingt das etwas antiquiert. Heute sagt man, er sei «informiert» worden. Das geht heute, weil das Fremdwort «informieren» früher für «unterrichten» gebraucht wurde. So beschwerte sich weiland der Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach, dass ihm das «Informieren» seiner Lateinschüler immer mehr Beschwernis mache. Wir verstehen das, weil Latein schwierig ist und Bach eigentlich Besseres zu tun gehabt hätte.

Manchmal sagt uns das Stapferhaus mehr, als wir über uns und die Welt zu wissen glaubten. Ja, es sagt uns das nicht direkt, es setzt uns «ins Bild», es «informiert» uns mit einer Ausstellung. «Ausstellung» ist auch so ein altertümlich klingendes Wort und es wird den Ruch des Stationären, des bewegungslosen Hinhaltens auch nicht recht los. Man wandelt durch eine Ausstellung wie früher durch Feld und Auen während des Sonntagsspaziergangs.

Und jetzt haben wir alles beisammen: Es wird uns etwas hingehalten, wir müssen uns Zeit nehmen und hingehen und wir dürfen «wandeln» (hier steckt nicht nur «wandern» drin, sondern auch «ändern») – durch das, was ausgestellt ist, und wir dürfen uns wandeln, weil uns über ein Phänomen, das uns bis zum Überdruss bekannt vorgekommen ist, etwas Neues aufging.

Neues plant auch das Stapferhaus. Es ist Grundstückbesitzer geworden und möchte sich in Lenzburg noch besser zeigen.

Die Ausstellung «Geld. Jenseits von Gut und Böse», ist vom 15. November 2014 bis zum 29. November 2015 im Stapferhaus Lenzburg zu sehen. Sie thematisiert etwa die Frage nach dem Wert des Geldes oder nach dessen gerechter Verteilung. Höhepunkt ist ein Fünfräppler-Pool im Wert von 200 000 Franken.

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