Meiereien
Serafin und Serafe

Jörg Meier
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Neu verschickt Serafe die Gebührenrechnung.

Neu verschickt Serafe die Gebührenrechnung.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Frau Lüscher hat wieder angerufen. Sie habe die Rechnung von diesem Serafin erhalten, sagte sie, aber sie komme da nicht recht draus. Sie habe deshalb mit der Einwohnerkontrolle telefoniert, doch die Frau dort hätte entnervt behauptet, sie sei nicht zuständig. Dabei stehe es doch ausdrücklich auf der Rechnung, man solle bei Unstimmigkeiten die Einwohnerkontrolle anrufen. Da sei ihr aber die Dame von der Einwohnerkontrolle richtig frech gekommen und habe behauptet, sie könne wohl nicht richtig lesen. Dabei sei sie eine gute Leserin, studiere täglich die Zeitung und hole zweimal im Monat Bücher aus der Bibliothek, sagte Frau Lüscher. Erst gestern habe sie den neuen Capus fertig gelesen. Ob sie sich eine solche Frechheit bieten lassen müsse?

Ich lenkte ab und sagte ihr, also die Rechnung, die stamme wohl kaum von Serafin, was ja ursprünglich ein Engel mit sechs Flügeln sei, sondern eher von der Serafe. Was eine Abkürzung für «Schweizerische Erhebungsstelle für die Radio- und Fernsehabgabe» sei.

«Blöder Name», sagte Frau Lüscher, «kaum hat man sich an die Billag gewöhnt, heisst sie schon wieder anders.»

«Dafür ist die Abgabe jetzt günstiger», erklärte ich, «wir bezahlen nur noch 365 Franken pro Jahr und nicht mehr 451 wie bisher.»

«Da habe ich aber Glück», sagte Frau Lüscher, «ich muss nur 182.50 bezahlen, mein Nachbar noch weniger. Wahrscheinlich hängt das doch mit der Grösse der Familie zusammen», folgerte Frau Lüscher.

Sie sagte, ich hätte ihr sehr geholfen, denn jetzt sei ihr alles klar mit der Rechnung vom Serafin, aber das hätte ihr doch die Gumsle auf der Einwohnerkontrolle auch sagen können. Frau Lüscher wünschte mir einen schönen Tag und legte auf, noch ehe ich ihr widersprechen konnte.