Kommentar
«Schweizerhalle» ist jetzt in China

Am 1. November 1986 brannte bei Sandoz in Schweizerhalle eine Lagerhalle. Es kam zur Katastrophe.

Daniel Haller
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Die ausgebrannte Lagerhalle des Chemiekonzerns Sandoz, aufgenommen am 8. November 1986. Sieben Tage zuvor brannten in der Halle in Schweizerhalle nahe Basel über 1'000 Tonnen Chemikalien. (Archivbild)

Die ausgebrannte Lagerhalle des Chemiekonzerns Sandoz, aufgenommen am 8. November 1986. Sieben Tage zuvor brannten in der Halle in Schweizerhalle nahe Basel über 1'000 Tonnen Chemikalien. (Archivbild)

KEYSTONE

Die Feuerwehrleute waren zu den brennenden Chemikalien vorgedrungen – als diese explodierten: 173 Tote, 797 Verletzte, 17 000 betroffene Wohnungen, 1700 Firmen, 675 Geschäfte ... Nein, das war nicht der Schweizerhalle-Brand, sondern das Explosionsunglück im Hafen von Tianjin im August 2015. Doch zwischen den Katastrophen bestehen Zusammenhänge.

Erstens hätte auch Schweizerhalle explodieren können: Der für Chemikalien vorgesehene Schaum reichte nicht für einen solchen Brand. Also bekämpfte man das Feuer stundenlang mit 400 Liter Wasser pro Sekunde. Wasser setzte die Feuerwehr auch ein, um die Nachbarhalle zu schützen. Was die Männer kaum wussten: Darin lagerte Natrium, das mit Wasser heftig reagiert und hoch explosives Wasserstoffgas freisetzt. Die Feuerwehr spielte russisches Roulette. Doch die Region Basel hatte mehr Glück als die Opfer in Tianjin.

Zweitens verbesserte die Chemiebranche in Europa zwar die Sicherheitsvorkehrungen, und man verschärfte die Umweltgesetze. Doch angesichts der billigeren Bedingungen wanderte die Chemie nach China ab. Dort leitet man bunte Abwässer ungeklärt in die Flüsse, vergräbt Chemiemüll und setzt Substanzen ein, die hier verboten sind. Hergestellt werden unter anderem über vier Fünftel der Generika-Wirkstoffe. In der Region Basel verblieben vorab die bezüglich Umwelt unbedenklichen Endschritte der Medikamenten-Herstellung. Heute finden nicht nur problematische Produktionsschritte, sondern auch «Schweizerhalle» anderswo statt – beispielsweise in Tianjing.

daniel.haller@azmedien.ch

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