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Schulleiter sind «eher zufrieden»: was das wirklich bedeutet

Hans Fahrländer
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Viele Schulleiter sind in Wahrheit unzufrieden, heisst es beim Verband Aargauer Schulleitungen.

Viele Schulleiter sind in Wahrheit unzufrieden, heisst es beim Verband Aargauer Schulleitungen.

Keystone

Wie zufrieden ist «eher zufrieden»? Kürzlich publizierte das Bildungsdepartement BKS eine Mitteilung mit dem Titel «Zufriedene Schulleitungen trotz hoher Auslastung». Darin heisst es: «Die Schulleitungen bezeichnen sich als eher zufrieden und fühlen sich gut qualifiziert (...)». Diese Woche nun das Korrektiv: Der Verband Aargauer Schulleitungen meldete sich zu Wort. «Es gibt zwar Schulleitungen, die zufrieden sind, viele aber sind unzufrieden», so Co-Präsident Philipp Grolimund. Auf der Zufriedenheitsskala «sehr zufrieden/zufrieden/eher zufrieden/unzufrieden» bewege man sich auf der zweituntersten Stufe, «also ungenügend». Es kommt immer wieder vor, dass Mitteilungen aus dem BKS etwas euphemistisch formuliert sind (letztmals beim Frühenglisch), Marketingsprache halt, sie dominiert ja nicht nur Unternehmens-, sondern auch Verwaltungs- und Politik-Communiqués.

Von der Communiqué-Qualität zum verhandelten Gegenstand: Geleitete Schulen sind im Aargau seit 2006 obligatorisch. Der Paradigmenwechsel von der verwalteten Schule mit einem Rektor mit nur organisatorischen Kompetenzen hin zu geführten Schulen war riesig. Das Schulklima war zuvor egalitär geprägt, nun war plötzlich eine(r) der Chef, mit Kompetenzen nicht nur im administrativen, sondern auch im pädagogischen Sektor und in der Personalführung.

Zur Person

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik.

hans.fahrlaender@azmedien.ch

Die Mühen des Kulturwandels dürften nach gut zehn Jahren ausgestanden sein, geblieben ist der Kampf um genügend Zeit. Nur grosse Schulen haben hauptamtliche Leiter, kleinere haben eine teilzeitliche Lösung, die Quote Schulgrösse/Pensumsgrösse bestimmt «Aarau». Das Organisatorische muss sowieso gemacht werden, auf der Strecke bleiben somit die pädagogische und die Personalführung. So war es eigentlich nicht gedacht. Es ist indessen nicht das erste Mal, dass eine Schulreform aus Spar- und Ressourcengründen nicht die gewünschte Wirkung entfaltet.

Das BKS empfiehlt den Schulen, zur Entlastung der leidenden Leitenden die Schulsekretariate aufzustocken. Eine kleine (Spar-) Schlaumeierei, denn Schulleitungen werden vom Kanton bezahlt, die Sekretariate aber von den Gemeinden. Bleiben für eine allfällige Entlastung die Schulpflegen. Doch diese sind von der Abschaffung bedroht, ein erster Versuch wurde sistiert, ein zweiter folgt in der nächsten Legislatur. Vielleicht führt eine solche «Bereinigung» der Schulführung zum Wegfall von Kompetenzgerangel. Doch die Arbeitslast der Schulleitungen wird nochmals massiv steigen. Spart man auch dann noch an Leitungspensen, werden die Folgen verheerend sein.

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