Apropos
Schuhlos durch die Schweizer Nacht

Alexandra Fitz
Alexandra Fitz
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«Befreut eure Füsse», schreibt az-Redaktorin Alexandra Fitz.

«Befreut eure Füsse», schreibt az-Redaktorin Alexandra Fitz.

Scherben vom Fest, Spucke vom Prolet, Kotze vom Girlie, Glace vom Gof, Spritzen vom Süchtler... Es gibt viele Gründe, seine Schuhe anzubehalten und nicht blauäugig und leichtfüssig in Sommertrance über den noch gewärmten Asphalt zu tänzeln.

Doch manchmal drückt der Schuh. Er ist zu eng, zu hoch, zu hart, zu neu. Irgendwann geht es nicht mehr, und man blendet alle Gefahren à la Eventualscherbe aus. Dann, wenn man sich eine grosse, gefüllte Blase angerieben hat. An diesem Sommerabend war es die Kombination aus Sandalen und Hitze. Es war warm, die schwitzende Haut rieb am harten Fussbett und am Möchtegern-Lederriemen. Ergebnis: Die gesamte untere Seite des grossen Zehs war eine Blase. Die hohen Dinger mussten ab und wurden fortan in der Hand getragen. So liefen die baren Füsse über Strassen, Brücken, durch den Aarauer Bahnhof, das Zugabteil und die Zürcher Nacht bis nach Hause. Um dann im Badezimmer vom kohlschwarzen Belag befreit zu werden. Denkste. Ballen und Ferse waren sauber. So sauber wie sonst.

Was sagt uns das? Die Schweiz ist verdammt clean. Scherben gehören ins Altglas, Kotze ins Klo, Süsses ist verboten – das weiss doch jeder Schweizer. Deshalb: Befreit eure Füsse, es ist Sommer!