Schonungslos aufklären

Rolf Cavalli
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Die Vorwürfe sind ungeheuerlich, das Schadenpotenzial riesig: Ein früherer Neurochirurgie-Chefarzt soll Patienten als Versuchskaninchen missbraucht haben, dem Kantonsspital Aarau drohen Schadenersatzklagen in zweistelliger Millionenhöhe. Die AZ und jetzt auch die NZZ haben kritisch und ausführlich über den Fall berichtet. Ohne Akteneinsicht bleibt die Angelegenheit aber undurchsichtig.

Es ist deshalb höchste Zeit, dass das Aargauer Gesundheitsdepartement von Jean-Pierre Gallati eine Untersuchung einleitet. Geklärt werden muss in erster Linie, ob der Starchirurg wirklich ohne Bewilligung umstrit- tene Behandlungsmethoden angewendet hat und ob die Spitalleitung ihre Führungs- und Kontrollfunktion genügend wahrnimmt.

Bei einem derart grossen Betrieb wie dem Kantonsspital Aarau mit über 4500 Mitarbeitenden sind Fehltritte einzelner unvermeidbar. Damit nicht das ganze Spital in Misskredit kommt, ist es essenziell, den aktuellen Fall schonungslos aufzuklären und die Konsequenzen zu ziehen.

Im Zuge von Corona ist die Sensibilität in der Bevölkerung gegenüber dem Gesundheitswesen gestiegen, Vertrauen in die Mediziner und Verlässlichkeit von Spitälern noch höher zu gewichten. Gallati hat angekündigt, auch personelle Änderungen ins Auge zu fassen, falls grobe Unzulänglichkeiten in der Führung zutage kämen. Den Verantwortlichen im KSA stehen unangenehme Monate bevor.