Fall Stettbacher
Schnellschüsse sind fehl am Platz

Henry Habegger
Henry Habegger
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VBS-Chef Guy Parmelin handelt schnell – hoffentlich auch richtig.

VBS-Chef Guy Parmelin handelt schnell – hoffentlich auch richtig.

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Der Fall Stettbacher – wenn es denn ein Fall ist – führt im Verteidigungsdepartement
zu ausserordentlich grosser Betroffenheit. Das ist verständlich, denn es geht im Gegensatz etwa zum sistierten bodengestützten Luftabwehrsystem Bodluv nicht um ein Sachgeschäft, das möglicherweise schiefgelaufen ist. Es geht um einen Menschen und Mitarbeiter.

Wir wissen heute nicht, wie stichhaltig die schweren Vorwürfe gegen den Oberfeldarzt wirklich sind. Es gibt aber Anzeichen, dass an der Sache weniger dran ist, als es den Anschein machte. Reaktionen von entsetzten VBS-Insidern gehören zu diesen Anzeichen.

Bundesrat Guy Parmelin hat sich in kurzer Zeit den Ruf eines Chefs erworben, der Probleme benennt und löst, der schnell und entschlossen durchgreift. Das ist lobenswert, das ist auch mutig.

Auch im «Fall» Andreas Stettbacher ist zu hoffen, dass der Bundesrat auf einer solidenBasis gehandelt hat, als er entschied, gegen den Oberfeldarzt vorzugehen. Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft und gleichzeitige Information der Öffentlichkeit sind ein überaus folgenschwerer Eingriff für die betroffene Person und ihre Familie. Sollte sich aber zeigen, dass der «Fall» ein Bagatellfall ist, der mit Verweis oder ähnlich hätte geahndet werden müsste, dann hat Parmelin ein grosses Problem. Denn wenn es um Menschen geht, sind Schnellschüsse fehl am Platz. Ja unverzeihlich.