Polemik
Rote und andere Pässe

Es ist bald zehn Jahre her: Stolz marschierte ich ins Büro an der Predigergasse. Dort liegt in Bern das Ausländeramt.

Anne-Sophie Scholl
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Ausländerausweise

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Dann kam der Hammer: «Wozu wollen Sie sich das antun?», höhnte der Beamte. Er mag recht haben: Ich rede nichtanders, ich sehe nicht anders aus: Die meisten Leute um mich herum, die einen roten Pass zu Hause haben, wissen gar nicht, dass meiner dunkelviolett ist. Jetzt erst recht, dachte ich.

Allerdings: Gerade sieben Amtszettel lang habe ich durchgehalten, bin in Amtsstuben gepilgert, habe etliche Zehner- und noch mehr Zwanzigernötli für hübsche Stempel hingeblättert. Dann dachte ich: Jetzt langts. Die Schweiz ist eher in der EU, als dass das hier ein Ende nimmt.

Inzwischen ist die EU jedoch in weite Ferne gerückt. Dennoch habe ich noch immer nicht vor, mich an irgendwelchen öffentlichen Wänden in Graffiti-Kunst zu versuchen. Einen Eintrag habe ich allerdings doch bereits: Ich ging bei einer Ortseinfahrt mal nichtschnell genug auf die Bremsklötze. Nun also finde ich mich potenziell auf der Abschussrampe wieder – in ein Land, das ich allenfalls von der Durchreise kenne. Zu dumm, kann ich nicht mal darüber abstimmen.