Polemik
Romantik? Nein danke!

Laura Gianesi
Laura Gianesi
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Szene aus dem Film «Fifty Shades of Grey».

Szene aus dem Film «Fifty Shades of Grey».

Universal Pictures

Er führt sie zum Dinner aus. Sie pinselt, verdeckt, betont, optimiert, eifert dem Ideal eines strahlenden Objekts männlicher Blicke nach. Für ihn dauert die Vorbereitung ein paar Minuten. Denn er ist der Beobachter, der Bewertende, das Subjekt des Blicks. Sie erreichen das Restaurant – er öffnet ihr die Tür, denn er ist der aktiv Umgarnende, sie die Burg, die immer wieder erobert werden muss. Oder die reizend Schwache, die weder die Türe öffnen noch selbst ihren Mantel anziehen kann – geschweige denn, ihm in den Mantel zu helfen oder ihm die Türe zu öffnen. Am Ende zahlt er. Denn er ist der Besitzer. Und vielleicht, wenn wir schon dabei sind, folgt der Höhepunkt des Höhepunkts: Er fällt vor ihr auf die Knie.

Im Bewusstsein: Eigentlich ist immer er der Stärkere. Auf Augenhöhe begegnen sie sich nicht. Er steht oben, er ist aktiv, er führt, er bestimmt, er zahlt. Sie ist die Umgarnte, Bezahlte, Geführte. Mit diesem Wissen inszenieren beide den Heiratsantrag, die weibliche Pseudo-Aktivität. Denn jetzt – wie romantisch! – kann sie seine Aktivität annehmen oder zurückweisen. Das ist alles, was die konventionelle Romantik ihr an Handlung zuspricht.

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