Polemik
Rebellion der Pendler

Pedro Lenz
Pedro Lenz
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Pendler am Bahnhof Bern. (Archiv)

Pendler am Bahnhof Bern. (Archiv)

Keystone

Im Juni startete die SBB im Bahnhof Bern den Versuch, den Pendlerstrom zu kanalisieren. Gelbe Pfeile am Boden zeigen den Passanten seither an, wo sie zu gehen haben. Zweck der Richtungspfeile ist es, Staubildungen zu vermeiden. Tatsächlich ist es eng im Berner Bahnhof. Zu den Stosszeiten stösst der unterirdische Zugang zu den Perrons an seine Kapazitätsgrenzen.

Inzwischen zeigt sich allerdings, dass die Idee mit den gelben Pfeilen keine Besserung bringt. Die Mehrheit der Bahnkundschaft ist nicht bereit, sich den Weg zum Zug vorschreiben zu lassen. Einige gehen links und überholen rechts, manche tun es umgekehrt, andere bevorzugen eine Zickzacklinie mit ruckartigen Richtungsänderungen.

Das ist schade um die Idee, aber offensichtlich gut für die Volksseele. Seit Jahren ist der Berner Bahnhof ein hochrentables Shoppingcenter mit Bettelverbot, Brezelduft und hohen Toilettentarifen. Brav befolgt der Pendlerstrom die Hausordnung. Die Kundschaft konsumiert klaglos und gehorsam bedient sie sich an den Gratiszeitungsboxen.

Da möchte man doch wenigstens beim Laufweg ein wenig rebellieren dürfen.