Verkehr
Rasen ist endlich kein Kavaliersdelikt mehr

Auf Anfang 2013 verschärfte die Schweiz Richtlinien, um Raser schneller vor Gericht zu bringen. Jetzt zeigt sich: Im Kanton Aargau sind 2014 weniger Strafverfahren gegen Raser eröffnet worden als im Vorjahr. Ein Kommentar.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Wer zu stark aufs Gaspedal drückt, kann viel verlieren. (Symbolbild).

Wer zu stark aufs Gaspedal drückt, kann viel verlieren. (Symbolbild).

Keystone

Also doch: Die Verschärfung des Strafmasses gegen Raser scheint zu wirken. Bleifüsse gehen schneller vom Gas, seit sie wissen, dass ihnen nicht nur eine Busse, sondern möglicherweise auch Gefängnis droht, wenn sie auf einer Landstrasse den Tempozeiger auf über 140 km/h drücken oder mit 100 durch ein Dorf schiessen.

Darauf deuten zumindest die neuen Zahlen der Staatsanwaltschaft Aargau hin. 2014 ging die Zahl der eröffneten Strafverfahren gegen Raser im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte zurück. Zur Erinnerung: Anfang 2013 traten in der Schweiz die neuen «Via Sicura»-Richtlinien in Kraft, die Raser schneller vor Gericht bringen.

Nicht nur der Gesetzgeber behandelt den notorischen Raser endlich, wie es dieser verdient – als Kriminellen, der das Leben anderer gefährdet. Auch gesellschaftlich werden unverantwortliche Tempobolzer zunehmend ausgebremst. Was früher verbreitet als Kavaliersdelikt galt, wird mittlerweile von den meisten geächtet.

Die jüngste Raserstatistik ist ein Lichtblick, aber noch kein Anlass zur Entwarnung. Gerade bei den Jungen bleibt die Versuchung auf den Temporausch im Strassenverkehr gross. Jedes zweite Raserverfahren im Aargau trifft einen unter 25-Jährigen. Der Druck auf potenzielle Raser muss deshalb hoch bleiben. Jeder, der sich hinter das Steuer setzt, muss sich bewusst sein: Drückt er das Gaspedal ohne Rücksicht auf Verluste durch, kann er alles verlieren, was ihm doch so lieb ist: seine Freiheit, sein Auto, seinen Ruf.