Zwangsheirat
Prüfet, wer sich ewig bindet

Samuel Schumacher
Samuel Schumacher
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905 Mal wurden in der Schweiz wohnhafte Menschen zwischen Januar 2015 und August 2017 zwangsverheiratet. (Symbolbild)

905 Mal wurden in der Schweiz wohnhafte Menschen zwischen Januar 2015 und August 2017 zwangsverheiratet. (Symbolbild)

Keystone

Der Befund ist schockierend: 905 Mal wurden in der Schweiz wohnhafte Menschen zwischen Januar 2015 und August 2017 zwangsverheiratet. Sie wurden gegen ihren Willen zur Hochzeit gedrängt, durften eine Ehe nicht verlassen oder mussten auf Druck von Verwandten eine Liebesbeziehung zugunsten einer arrangierten Freundschaft aufgeben.

Das Leid, das die oft sehr jungen, fast immer weiblichen Zwangsverheirateten erdulden müssen,
ist gewaltig. Neben dem seelischen Schmerz werden sie häufig Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt.

Experten, die sich im Rahmen des eben abgelaufenen Programms des Bundes zur Bekämpfung von Zwangsheirat mit dem Phänomen beschäftigten, kamen zum Schluss, dass die Betroffenen selber häufig zu verängstigt sind, um sich zu wehren. Oft sind es mutige Bekannte und Freunde, die Verdachtsfälle bei der «Fachstelle Zwangsheirat» oder den kantonalen Stellen melden.

Das zeigt: Das Problem Zwangsheirat geht uns alle an. Wegschauen, verharmlosen, zögern: Das sind keine Optionen, im Gegenteil. Wir sollten proaktiv auf Personen zugehen, von denen wir glauben, dass sie gegen ihren Willen in eine Beziehung gedrängt werden.

Wir sollten sie über das bestehende Beratungsangebot aufklären und sie ermutigen, den entscheidenden Schritt zu machen. Für Betroffene bedeutet der Schritt nicht selten den totalen Bruch mit ihren eigenen Familien. Umso schwerer fällt ihnen der Entscheid – und umso wichtiger ist unsere Rolle als Ermutigerinnen und Ermutiger.