Sondermüll
Nur scheinbar aus den Augen, aus dem Sinn

Vor dreissig Jahren wurde die Sondermülldeponie Kölliken geschlossen – nun ist sie leer. Ein Kommentar vom ehemaligen az-Redaktor Hans Lüthi, der über 30 Jahre lang über die Sondermülldeponie in Kölliken berichtet hat.

Hans Lüthi
Hans Lüthi
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Grösste Schweizer Altlast: Deponie in Kölliken ist leer geräumt
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Grösste Schweizer Altlast: Deponie in Kölliken ist leer geräumt

Keystone

Kleinere Abfallhalden waren vor Jahrzehnten die normalste Sache der Welt. Alles Unbrauchbare aus Haushalt, Industrie und Gewerbe wurde in Gruben gekippt, die Bauern entsorgten so unter anderem ihr Altöl. Volle Gruben wurden mit Humus überdeckt, es wuchs buchstäblich Gras darüber, Kühe konnten wieder friedlich darauf weiden. So kam auch der Aargau zu vielen seiner 2500 Altlasten – über zehn pro Gemeinde.

Völlig unverständlich aus heutiger Sicht, dass das Prinzip «aus den Augen, aus dem Sinn» auch 1978 noch hochgehalten und die Deponie Kölliken eröffnet wurde. In der Meinung, es sei besser, die Giftfracht konzentriert an einem Ort zu haben. Geplagt durch Gestank und Lärm, Kollaps der Kläranlage und Kopfweh von Anwohnern erzwang die Gemeinde sieben Jahre später einen Deponiestopp. 30 Jahre später ist die ehemalige Tongrube für knapp 900 Millionen Franken leergeräumt. Es ist das Ende einer gigantischen Umweltsünde.

Geschichte ist die Deponie aber noch keineswegs: Weil man vor den Müll-Ablagerungen die schützende Tonschicht fahrlässig eingespart hat, muss nun ein Teil des verseuchten Untergrundes abgetragen werden.

Erst die Probebohrungen werden zeigen, ob nur 20 000 oder bis zu 65 000 Tonnen Fels belastet sind. Und dann wird das Gelände wieder so aufgefüllt, wie es vor dem Tonabbau der Ziegelei Kölliken ausgesehen hat.

Der gute Ton kam aus der Natur und hat die Basis für eine grosse Grube geschaffen. Die schlechte Musik in diesem Umweltdrama haben viel zu sorglose Menschen gespielt.