Gastkommentar
No-Billag-Initiative: Wacht auf!

Die Zürcher SP-Nationalrätin und Unternehmerin Jacqueline Badran ist sich sicher, wer vor allem von einem Ja zur No-Billag-Initiative und dem SRG-Grounding profitieren wird.

Jacqueline Badran
Jacqueline Badran
Merken
Drucken
Teilen
Mit einem Ja zur No-Billag-Initiative käme es zum SRG-Grounding.

Mit einem Ja zur No-Billag-Initiative käme es zum SRG-Grounding.

KEYSTONE

Wenn Leute das einzige Medienhaus abschaffen wollen, das dem Volk gehört, heisst es, besonders aufzupassen. Denn hier geht es um Volksvermögen, einen Bestandteil der Vierten Gewalt sowie um die Grundversorgung mit Information, Kultur, Sport und Unterhaltung, mit der wir jahrzehntelang sehr gut gelebt haben. Es geht um viel Macht und Geld. Den einen passt es nicht, dass sie unser Volks-Medienhaus nicht kontrollieren können, die anderen haben rein kommerzielle Interessen. Zeit zu fragen: Wer profitiert von der Annahme der No-Billag-Initiative und damit zum Grounding der SRG? Und da gibt es nur einen: den neu geschaffenen Medienkonzern Tamedia-Goldbach – ein Zusammenschluss des grössten Verlagshauses mit dem Quasimonopolisten in der Radio- und Fernseh-Werbungsvermarktung.

Strategisch gesehen kann der Konzern endlich die Bedürfnisse der Werbewirtschaft nach kanalübergreifender Werbung bedienen: TV, Radio, Online, Plakate, Print. Dabei schielt man unverfroren auf die 400 Millionen Franken Werbeeinnahmen der SRG, die zum grossen Teil den deutschen und französischen Privatmedien, die Goldbach vermarktet, zufliessen würden. Hinzu kommt die enorme Reichweite (die Währung der Werbung) der SRG, die zwangsweise grossteils zu den grossen ausländischen Privat-Stationen abwandern würde. Der Konzern könnte also nicht nur mehr Werbung, sondern diese auch teurer verkaufen.

Was sagte der Chef von Tamedia bei der Pressekonferenz zur Fusion? «Die Kombination Tamedia-Goldbach bietet uns die Möglichkeit, unseren Kunden künftig reichweitenstarke 360-Grad-Angebote in den Bereichen TV, Radio, Print und Online sowie Aussenwerbung zu bieten und wir werden mit unseren neuen Partnern ProSiebenSat.1 und RTL Investitionen in Schweizer Programminhalte prüfen.» Der neue Konzern entzieht jetzt schon Hunderte von Millionen Franken an Werbegeldern nach Deutschland, die hier dem Journalismus fehlen. Neu will er auch Schweizer Programmfenster herstellen. Das alles ergibt aber erst Sinn und Geld, wenn die SRG zerschlagen ist.

Die Einzigen, die finanziell in die sich ergebende Lücke springen könnten, sind Sat 1/Pro 7. Diese würden uns dann zwischen Werbesendungen, unterbrochen von Dschungelcamp, auch noch eine eingeschweizerte Newssendung bringen. Schöne neue Schweiz. So etwas kann ernsthaft niemand wollen. Es ist Zeit aufzuwachen und sich nicht vom Geschwätz von Bezahlfernsehen, von «Redimensionierung der SRG» und der «Irgendwie-geht-es-schon-weiter»-Lüge ablenken zu lassen. Nicht der SRG gehört ein Schuss vor den Bug, sondern solchem Ansinnen und damit der No-Billag-Initiative.