Polemik
Nacherziehung in der eigenen Stube

Sabine Kuster
Sabine Kuster
Merken
Drucken
Teilen
Brauchen viel Aufmerksamkeit: Babys (Symbolbild)

Brauchen viel Aufmerksamkeit: Babys (Symbolbild)

Keystone

Ich machs wirklich gerne. Ich stehe in der Nacht mehrmals auf, wenns sein muss, ich bleibe bei schönstem Wetter im Flachland, ich verzichte auf Ausgang, ich bleibe cool auch bei 120 Dezibel Geschrei, weil hey, ich habe es mir sehr gewünscht, so ein Kind. Der Einfachheit halber esse ich momentan fast salzfrei, kaufe Bio und koche überhaupt selbst, statt mich sonst wo zu verpflegen. Räume das Gestell in der Küche dreimal täglich ein, putze den Boden unter dem Esstisch wenigstens einmal täglich und gebe mir Mühe, dass mich das Chaos, das sich sofort danach wieder ausbreitet, bis zum nächsten Tag nicht stört. Und es gibt wirklich Schlimmeres als eine volle Windel.

ABER. Ich darf jetzt auch nicht mehr fluchen. Austicken schon gar nicht. Das Natel während dem Essen nicht checken. Muss die Füsse unter dem Tisch behalten. Obwohl ich doch ein entspanntes Zurücklehnen nach einem Arbeitstag oder einem Tag mit zwölf Kilogramm Lebendgewicht schleppen verdient hätte. Niemand hat mich gewarnt, dass man sich mit einem Kind auch noch in den eigenen vier Wänden anständig benehmen muss.