Propaganda
Mit Transparenz gegen Manipulation

Dennis Bühler
Dennis Bühler
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Die Kommandozentrale von «Sputnik».

Die Kommandozentrale von «Sputnik».

Wo viel Macht auf dem Spiel steht, wird viel gelogen. Zuletzt hat der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft diese Faustregel eindrücklich in Erinnerung gerufen: Die Demokraten um Hillary Clinton und die Republikaner um Donald Trump bezichtigten sich gegenseitig der Lüge. Diese Vorwürfe waren der Wahrheit näher als viele andere Aussagen. Trotzdem stimmten je mehr als 60 Millionen Amerikaner für beide Kandidaten.

Stärker im Schussfeld als lügende Politiker steht die «Lügenpresse». Die Skepsis gegenüber Medien hat weltweit zugenommen. Was früher als blosse Verschwörungstheorie abgetan worden wäre, ist in den vergangenen zwei Jahren salonfähig geworden: In Deutschland stimmten kürzlich 44 Prozent der Aussage zu, die «von oben gesteuerten Medien» würden «nur geschönte und unzutreffende Meldungen» verbreiten.

In diesem Vertrauensverlust hat die russische Regierung ihre Chance erkannt. In einer unvergleichlichen Offensive versucht sie, den Kampf um die Nachrichtenhoheit für sich zu entscheiden. Ihre Strategie ist perfid: Statt die eigene Sichtweise mit Fakten zu untermauern, versucht sie, Ängste zu verstärken. Mit einer Vielzahl von meist ungesicherten und sich durchaus widersprechenden Informationen sorgt sie für einen «Informationslärm», der die Empfänger überfordert, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» treffend feststellte. Gewissheiten gehen verloren, der Glaube an die Existenz einer Wahrheit schwindet.

Das einzige einigermassen erfolgsversprechende Rezept gegen diese Propagandawelle, aber auch gegen die «Lügenpresse»-Vorwürfe in den sozialen Medien ist grösstmögliche Transparenz. Im postfaktischen Zeitalter trägt die Kraft von Tatsachen alleine nicht mehr. Stattdessen müssen wir – immer wieder – erklären, warum wir überzeugt sind, die Realität wahrheitsgetreu abzubilden. Das wird anstrengend sein. Aber es ist notwendig.