Kommentar
Mit Tourismus hat das nichts zu tun

Wir hinterlassen überall digi-tale Spuren. Auf Facebook posten wir Fotos, Migros und Coop wissen dank Cumulus- und Supercard, ob wir Vegetarier sind oder doch lieber ein Entrecôte auf dem Teller haben. Wir benutzen den Swiss Pass und die SBB wissen, wo wir in den letzten 90 Tagen waren. Und dank Google Street View weiss jeder, wie mein Haus von aussen aussieht.

Janine Müller
Janine Müller
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Mit solchen Autos hat Google die Strassen in Veltheim aufgenommen. Die Vältner Daten stammen aus dem Jahr 2013.

Mit solchen Autos hat Google die Strassen in Veltheim aufgenommen. Die Vältner Daten stammen aus dem Jahr 2013.

Keystone

Der grosse Unterschied: Auf Facebook beispielsweise entscheide ich, welche Daten ich preisgebe. Google Street View aber fragt mich nicht, ob meine Garage, mein Garten und mein Haus weltweit angeschaut werden dürfen.

Verständlich, dass sich die Bewohner und der Gemeinderat von Veltheim dagegen wehren, dass Aufnahmen von Nebenstrassen der kleinen Gemeinde bei Street View aufgeschaltet werden. Über 20 Eingaben aus der Bevölkerung sind beim Gemeinderat eingegangen.

Das reicht der Behörde, um nun Schritte gegen den Internet-Riesen Google zu prüfen. Es ist ein ungleicher Kampf. Ein Kampf, der fast aussichtslos erscheint. Es ehrt den Gemeinderat, dass er ihn trotzdem aufnimmt. Das zeigt, dass die Behörde die Anliegen aus der Bevölkerung ernst nimmt und versucht, die beste Lösung für die Einwohner zu finden.

Google betont immer wieder gerne, dass Street View nützlich für Touristen ist. Auch Schweiz Tourismus schwärmte über die Lancierung des Dienstes. Das mag für Orte wie Zermatt oder Interlaken gelten. Doch wem nützen die Daten von Veltheim? Quartierstrassen dieser Gemeinde haben herzlich wenig mit Tourismus zu tun.

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