Rücktritt von Josef Ackermann
Menschlich stark– aber unnötig

Ausgerechnet Josef Ackermann! Als Chef der Deutschen Bank von 2002 bis 2012 stand er im Gegenwind wie kein anderer Schweizer Top-Manager. Oft wurde sein Kopf gefordert, oft wurde er für erledigt erklärt. Doch er kämpfte sich durch alle Krisen.

Christian Dorer
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Am Ende bei Zurich: Ackermann tritt als VR-Präsiden zurück (Archiv)

Am Ende bei Zurich: Ackermann tritt als VR-Präsiden zurück (Archiv)

Keystone

Am Ende trat er freiwillig und als geachteter Chef ab. Ackermann stolpert jetzt über ein Ereignis, das so gar nicht in die nüchterne, zahlengetriebene Welt des Top-Managements passt. Er stolpert über eine höchst emotionale Sache, die wohl jeden Chef überfordert: den Suizid eines Mitarbeiters.

Ackermann kommt mit seinem Rücktritt dem Wunsch der Familie des Verstorbenen entgegen, die Vorwürfe gegen ihn erhoben hat. Was genau zwischen ihm und seinem Finanzchef schiefgelaufen war, und ob Ackermann auch aus schlechtem Gewissen handelt - wir wissen es nicht. Menschlich ist sein Rücktritt nachvollziehbar, ja er zeugt von Souveränität und von grossem Respekt gegenüber der hinterbliebenen Familie.

Sachlich betrachtet jedoch ist der Rücktritt nicht gerechtfertigt. Dass Ackermann damit den Konzern in die Schlagzeilen katapultiert und womöglich in ein schiefes Licht rückt, ist das eine. Das andere: Ackermann hat bloss seinen Job gemacht. Ein Verwaltungsratspräsident muss unbequem sein. Was immer zwischen Ackermann und dem Finanzchef vorgefallen sein mag: An der Spitze eines Weltkonzerns fliegen auch mal die Fetzen. Das auszuhalten, gehört zum Profil jedes Spitzenjobs.

Ein Chef trägt eine hohe Verantwortung für das Wohl seiner Mitarbeiter. Aber er ist niemals verantwortlich für einen Selbstmord.

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