Kolumne
Meine Therapie, die Kolumne

In der Altstadt mit Dara Masi: Die 25-Jährige ist in Suhr aufgewachsen und wohnt jetzt in Aarau. Sie ist neu Moderatorin von Virgin Radio Switzerland.

Dara Masi
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Dara Masi regt sich auf. Über vieles. Immerhin darf sie eine Kolumne schreiben – und kann sich dadurch wohl einen Gang zum Psychologen ersparen.

Dara Masi regt sich auf. Über vieles. Immerhin darf sie eine Kolumne schreiben – und kann sich dadurch wohl einen Gang zum Psychologen ersparen.

Getty Images/iStockphoto

Manchmal habe ich das Gefühl, Kolumnen sind ein wenig dafür da, dass sich ihre Verfasser öffentlich mal so richtig aufregen können. Schön, bin ich wieder an der Reihe. Denn da gibt es so einiges.

Ich rege mich auf über die Vollidioten auf der A1, die mir am Hintern kleben und wenn ich zur Seite fahre, dann doch nicht überholen. Ich ärgere mich über die Autofahrer, die einfach nicht verstehen, dass der Kreisel am Ende der Bahnhofstrasse tatsächlich ein Kreisel ist. Wer hätte das gedacht ... Und ja, auch in diesem Kreisel sollte man blinken, wie in allen anderen. Ich rege mich auf über meine bescheuerte, zurückgebliebene Nachbarin, die meine Katze immer noch mästet. Obwohl sie ganz bestimmt meine letzte Kolumne gelesen hat, in der ich mich bereits über sie aufgeregt habe.

Was mich sonst noch nervt? Ich hasse langes Warten im Nagelstudio, ich hasse Netflix-Serien die nur eine Staffel haben, ich hasse es, ehemaligen Lehrern über den Weg zu laufen, unbekannte Anrufe zu bekommen, während ich gerade ein Mittagsschläfchen machen will. Ich hasse es, wenn ich den Pöstler verpasse und das Zalando-Päckchen auf der Post abholen muss. Und ich hasse die neuen Parkgebühren beim Pulverturm. Obwohl sich dort nichts verändert hat, ausser dem Parkautomaten, der nun noch langsamer ist als die Oma, welche ich zuvor bei der Hirslanden-Klinik die Strasse überqueren liess. Ach, und wenn wir schon dabei sind, ich rege mich darüber auf, dass die neuen Parkgebühren noch mehr Leute davon abhalten, abends nach Aarau zu kommen. Und deshalb rege ich mich darüber auf, dass die Stadt sogar am Wochenende ausgestorben ist.

Ich rege mich über Trump auf, über meine Arbeitskollegen, über den Saustall in meiner Wohnung und darüber, dass mir echt nichts Schlaueres einfällt, zu schreiben, als worüber ich mich gerade so aufrege. Aber immerhin ist es schön, kann ich hier meinen Frust rauslassen. Das erspart mir vielleicht den Besuch beim Psychologen. Und über den würde ich mich bestimmt göttlich aufregen.