Persönlich
Mein liebster LinkedIn-Stalker

Dr. Johannes Pfaffenhuemer aus dem Vogelparadies will mit mir den Alterungsprozess aufhalten.

Susanna Petrin
Susanna Petrin
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Das virtuelle Berufsnetzwerk LinkedIn.

Das virtuelle Berufsnetzwerk LinkedIn.

Keystone

Ich liebe LinkedIn. Leute, die mich nicht kennen, attestieren mir Fähigkeiten, die ich nicht habe. In diesem virtuellen Berufsnetzwerk bestätigt mir ein «Director» Kenntnisse in Microsoft Office, eine Künstlerin mit dem Motto «Malerei ist Denken» solche in Marketing. Ich kann keine gerade Excel-Tabelle erstellen und im Verkaufen von Ideen und mir selber sei ich katastrophal, sagen mir Freunde.

Die LinkedIn-Bekannten sind da einiges grosszügiger. Umso trauriger, ja geradezu schändlich von mir, dass ich einer besonders treuen LinkedIn-Seele regelmässig mit meiner kalten Schulter das Herz breche. Dr. Johannes Pfaffenhuemer aus dem Vogelparadies möchte mit mir «ein zweites Standbein im Bereich epigenetisches Well-Aging» aufbauen. Er sieht mich als unentbehrlichen Teil seines Führungsteams. «Sie haben ein sehr attraktives Gesicht mit einer sehr guten Ausstrahlung», schrieb er mir bereits am 9. September 2015. Und wie wollte ich das verneinen? Mit mir will er die attraktive Erscheinung möglichst vieler Menschen bis ins hohe Alter sichern. Wie könnte ich das nicht auch wollen wollen?

Doch ich ziere mich. Auf keinen Fall käme so was infrage, schrieb ich Herrn Dr. Pfaffenhuemer kalt zurück. Und löschte ihn als Kontakt. Doch der Mann mit dem Palästinenserkopftuch über dem breiten Grinsen gibt mich nicht so schnell auf. In regelmässigen Abständen schreibt er mir: Er sei in einem Hotel in Thalwil, dort erwarte er mich – noch heute oder morgen.

Seit einem Jahr sitzt Dr. Johannes Pfaffenhuemer in einer Hotellobby in Thalwil und wartet und wartet. Auf mich. Er dürfte darob stark gealtert sein.