Kommentar
Lieber Arbeitsplätze als hohe Gewinne

Mehr als die Hälfte der Firmen im Aargau macht keinen Gewinn und zahlt nur die Mindeststeuer von 820 Franken. Dahinter steckt vor allem bei kleinen Betrieben eine Strategie.

Peter Brühwiler
Peter Brühwiler
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Die Hälfte aller Aargauer Firmen zahlt nur die Mindeststeuer. (Symbolbild)

Die Hälfte aller Aargauer Firmen zahlt nur die Mindeststeuer. (Symbolbild)

Keystone

Auf den ersten Blick mag die Zahl erstaunen: 46 Prozent der Aargauer Unternehmen erwirtschafteten 2013 keinen oder nur wenig Gewinn und bezahlten nur die Mindeststeuer. Allerdings kann man davon ausgehen – auch wenn die Statistik dies nicht ausweist –, dass es sich zu einem guten Teil um kleine, inhabergeführte Betriebe handelt. Wichtiger als ein paar tausend Franken Unternehmenssteuern ist für den Kanton die Tatsache, dass sie Arbeitsplätze schaffen und Löhne auszahlen.

Der Gegenentwurf ist das unter Druck stehende «Zuger Modell»: Dort liegen die Zentralen internationaler Unternehmen, die viel Gewinn erwirtschaften, aber praktisch keine Arbeitsplätze schaffen. Abgeschlagen steht der Kanton Aargau im Vergleich mit anderen Kantonen aber sowieso nicht da. In Bern etwa, wo es keine Mindeststeuer gibt, wiesen 2011 zwei Drittel aller Kapitalgesellschaften einen steuerbaren Gewinn von unter 10 000 Franken aus.

Zwei Veränderungen könnten dazu führen, dass künftig auch die Kleinen häufiger Gewinne ausweisen. Rein steuerlich gesehen sind Dividendenausschüttungen im Aargau seit dem Jahr 2009 günstiger als Lohnauszahlungen. Dies, weil dank der Unternehmenssteuerreform II Dividenden privilegiert besteuert werden. Zudem tritt 2016 eine kantonale Steuerreduktion in Kraft. Neu fallen auf den ersten 250 000 Franken nur noch 5,5 statt 6 und auf dem übrigen Reingewinn 8,5 statt 9 Prozent
Gewinnsteuern an. Gut möglich also, dass einige Firmen den Gewinn durch geschickte Abschreibungen etwas zurückhalten.

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