Fahrländer
Kunsthaus neu in Auenstein?

Hans Fahrländer
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Sparvorschlag: Die Liegenschaft des Kunsthauses verkaufen.

Sparvorschlag: Die Liegenschaft des Kunsthauses verkaufen.

Keystone

Der Grosse Rat hat am Dienstag die Volksinitiative gegen den Lehrplan 21 im Stimmenverhältnis von 3:1 abgelehnt. Damit ist indessen ein Nein in der Volksabstimmung noch längst nicht gesichert. Denn an der Basis gibt es ähnliche Befürchtungen wie im Initiativ-Komitee. Nicht in allen Schulstuben läuft es ja gleich gut. So finden Eltern etwa, der Lehrer ihrer Kinder übertreibe es mit dem «selbst organisierten Lernen» (anstelle fleissigen Übens), was bei den Sprösslingen zu empfindlichen Wissenslücken führe. Doch hinter schlechtem Unterricht steckt meistens nicht (wie von den Initianten behauptet) modernistische Borniertheit der Lehrkraft. Oft ist es schlicht mangelhafte Ausbildung und Erfahrung – eine Folge des gravierenden Lehrermangels. Ein Nein zum Lehrplan 21 bringt uns aber weder bessere Lehrer noch bessere Unterrichtsformen. Über Lehrmethoden steht nichts in diesem Dokument. So ist der Kampf gegen den Lehrplan 21 ein klassischer Stellvertreterkrieg: Das und jenes gefällt uns nicht an der Schule unserer Kinder und Enkel – also legen wir ein Protest-Nein ein.

Themenwechsel. Dass sich die finanziellen Perspektiven des Kantons verdüstern, müssen heute selbst Linke zugeben. In der Panik überbieten sich Politikerinnen und Politiker mit mehr oder weniger sinnvollen Sparvorschlägen. Grossrätin Maya Meier (SVP, Auenstein) zum Beispiel findet, die Liegenschaft des Kunsthauses am Aargauer Platz zu Aarau könne man getrost verscherbeln und dort Wohnungen realisieren. Dasselbe sähe sie auch fürs Naturama an der Feerstrasse. Ui, da steigen böse Bilder und historische Vergleiche in uns auf – Kultur als verzichtbares Beiwerk, das sowieso niemand braucht ... Schon in der Bibel steht indes geschrieben, der Mensch lebe nicht vom Brot allein. Oder hält es Frau Meier eher mit Karl Marx, für den alles Arbeit, Produktion, Ökonomie ist?

Am treffendsten hat das, was wir Grossrätin Meier gern ins Stammbuch schreiben möchten, die deutsche FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher formuliert (als Ausländerin kaum eine Lieblingsautorin von Frau Meier): «Kultur ist mehr und etwas anderes als eine Art Wurmfortsatz wirtschaftlicher und deshalb lebenswichtiger Organe. Man kann und darf an ihr nicht einfach herumschnippeln, wenn das Geld knapp wird.» Sie wollen, Frau Meier, das Kunsthaus gar nicht abschaffen, sondern nur an einen billigeren Ort verlegen? Vielleicht findet sich ja in Auenstein eine alte Scheune für eine der wichtigsten Sammlungen von Schweizer Kunst weltweit. Aber wir haben eigentlich gemeint, Schweizer Kunst liege der SVP am Herzen?