Aperçu
Kultur-Brüste sind keine Peepshow!

Markus Schönherr, Kapstadt
Markus Schönherr, Kapstadt
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Meine Brüste sind nicht unangemessen!» Mit diesem Satz bringen Frauen im südlichen Afrika derzeit auf Plakaten ihren Zorn über Onlinegiganten wie Google und Facebook zum Ausdruck. Dem Streitthema gerecht: mit nackten Brüsten auf offener Strasse.

Die Afrikanerinnen demonstrieren damit gegen die Richtlinien der Internetplattformen, die ihre nackten Brüste als «unangemessenen Inhalt» brandmarkten. Auf Facebook wurden ihre Bilder gelöscht. Youtube versah die Videos der Barbrüstigen mit einer Altersbeschränkung. Die Frauen schäumten vor Wut, ist der Tanz mit freiem Oberkörper doch Teil ihrer Kultur.

Jedes Jahr tanzen an besagtem Ritual bis zu 100 000 Jungfrauen um die Gunst von König Mswati III, dem Regenten von Swasiland. Beim traditionellen Schilftanz steht es dem letzten absolut herrschenden Monarchen frei, eine neue Gattin auszuwählen.

Mehr afrikanische Folklore geht eigentlich gar nicht. Und dennoch: Google und Co. halten das Ritual scheinbar für eine Peepshow. Eine Videoproduktionsfirma in Swasiland nahm dies zum Anlass, um offiziell Beschwerde einzulegen. Wirkung zeigten aber erst die Proteste: Youtube entschuldigte sich für den Vorfall und hob den Bann auf. Schliesslich sei man kein Rassist.