Kommentar
Konkurrenz tut gut

Doris Kleck
Doris Kleck
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Zu Hause unter Druck, in Bern gefeiert: FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis. Fotos: Key

Zu Hause unter Druck, in Bern gefeiert: FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis. Fotos: Key

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Wer von den Bundesratskandidaten etwas auf sich hält, denkt jetzt erst mal nach, redet mit seiner Familie und seiner Kantonalpartei. Der Juli wird bei der FDP zum Monat der Reflexion. Selbst Kronfavorit Ignazio Cassis hat sich noch nicht für eine Kandidatur zur Nachfolge von Didier Burkhalter entschieden.

Zum Spiel vor Bundesratswahlen gehört eben eine gewisse Koketterie. Dass Cassis aber auf der offiziellen Auswahlsendung der FDP-Fraktion stehen wird, gilt fast als ausgemacht. Mit zwei Romands im Bundesrat kann man dem Tessin kaum einen Sitz verweigern.

Dass im Moment auch andere Namen im Gespräch sind, kann Cassis wie auch seiner Partei nur gefallen. Erstens werden damit die grellen Scheinwerfer auch auf andere Personen gerichtet. Zweitens bleibt die Partei im Gespräch, und schliesslich steigert Konkurrenz die Legitimität einer späteren Wahl.

Cassis soll ja nicht der Alibi-Tessiner in der Regierung sein. Deshalb ist es richtig, wenn die Freisinnigen Romands ihren Sitz nicht kampflos aufgeben. Gute Argumente haben sie allerdings nur mit einer Frauenkandidatur.

Isabelle Moret und Ignazio Cassis als offizielle Bundesratskandidaten ist ein plausibles Szenario. Moret gilt als moderat und gefällt damit Mitte-Links. Allerdings kämpft sie genauso wie Cassis gegen die Altersreform 2020. Diese Abstimmung findet nur vier Tage nach der Ersatzwahl für Burkhalter statt.

Befürworter der Vorlage von links bis in die Mitte fordern von Cassis Zurückhaltung in dieser Kampagne und setzten ihn so unter Druck. Das ist absurd. Der Bundesrat ist keine Koalitionsregierung, die einem Programm verpflichtet ist. Und Cassis vertrat am Schluss der Beratungen just jene Reform, die der Bundesrat einst ins Parlament geschickt hat – und von der sich SP-Sozialminster Alain Berset gerne verabschiedet hat.